Flora & Fauna / Costa Rica

Von Riesen und Zwergen: Eisvögel Mittelamerikas

"Die Kingfisher der neuen Welt"
06. Oktober 2022

Mittelamerika

Costa Rica

Kingfisher Costa Ricas & Panamas

Alle Eisvögel fallen insbesondere durch ihren speziellen Körperbau auf und sind bei Reisenden in Mittelamerika immer sehr begehrt, auf Pixel zu bannen oder einfach nur um zu beobachten. Der Eisvogel im eigentlichen Sinne ist unser Europäischer Eisvogel. Sein Name stammt wohl von seinem eisblauen Gefieder, aber es gibt auch zahlreiche andere Geschichten dazu. Besonders speziell ist aber auch seine Jagdstrategie. Also zumeist Ansitzen oder Rütteln und dann Stoßtauchen. Das ist fantastisch und spektakulär. Ein Traum eines jeden Naturfreunden ist, die mal live zu sehen oder gar den Moment des Ein- oder Austauschens mit Fischchen festzuhalten.

kingfischerrotbrustschreiend_biancahahn.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/kingfischerrotbrustschreiend_biancahahn.jpgBianca HahnBianca Hahn
Weiblicher Rotbrustfischer 

 

In unserem Artikel hier möchten wir aber die Eisvögel Amerikas, speziell in Costa Rica und Panama beleuchten. Wir selbst verbringen das halbe Jahr in Mittelamerika und müssen auf unseren Reiseleitungen immer wieder feststellen, dass von Birdwatchern bis Fotografen allesamt große Kingfisher-Fans sind. Auch in Europa ist die Anhängergemeinde des Eisvogels sehr groß. Wenn man sieht, auf welchen Büchern, Tischdecken, Tellern, Tassen, Firmenenblemen (wir fassen uns an die eigene Nase) ihre Silhouetten prangen, wird es noch deutlicher. 

 

Die Eisvögel oder Kingfisher gehören zur Ordnung der Rackenvögel, sind als die entfernte Verwandtschaft von Bienenfresser, Blauracke oder auch den amerikanischen Motmots. Sie unterteilen sie in drei Unterfamilien: In Eigentliche Eisvögel, wozu auch der Europäische Eisvgel zählt, in Lieste (Baum-Eisvögel) und in Wasser- oder Fischeisvögel. Zusammen kommen dabei 90 Arten. Die Wassereisvögel stammen größtenteils aus Amerika und sind mit 9 Arten überschaubar strukturiert. Nur Riesenfischer und Graufischer sind Afrikaner. 

 

Wenden wir uns aber nun den Neuweltlern zu. Sie haben allesamt ein extrem großes Verbreitungsgebiet über beide Kontinente.

  


 

Rotbrustfischer

Und fangen zunächst der mit 41 cm größten Art, dem Rotbrustfischer an:

kingfischer-rotbrust-guaposte_hotelcampodecanonegro.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/kingfischer-rotbrust-guaposte_hotelcampodecanonegro.jpgHotel de Campo Hotel de Campo
männlicher Rotbrustfischer 

Wie bei allen Arten unterscheiden sich Weibchen und Männchen deutlich in der Färbung. Generell wird auch nach Beweisfoto die Bestimmung durch die Schillerfarben nicht so einfach gemacht. Je nach Lichteinfall erscheint auch im Fernglas Grün mal Blau und umgekehrt. 

Sie besiedeln recht unterschiedliche Habitate bis in Höhen von 1.400 m. Bewaldete Ufer an träge fließenden Strömen, Flüssen und Seen werden bevorzugt. Aber auch Mangroven, Mündungen, Deltas und Buchten am offenen Meer bieten ihm guten Lebensraum. Es ist zudem auf Reisfeldern, Kanälen oder Stadtparks recht zutraulich und als Kulturfolger zu sehen. Fisch ist seine Hauptbeute und sie können auch 20 cm Länge überschreiten. Zuweilen werden aber auch Frösche und Echsen, Schlangen von einem hohen Ansitz herab erbeutet. 

Ganz in Eisvogelmanier brüten sie in Röhren von 2,5 m Länge. Nicht nur an Flussböschungen, sondern auch an Steilhängen, die weit vom Wasser entfernt sind. Wegen seiner Kulturfolge und wohl auch wegen anthropogener Freisetzung von Nähstoffen im Wasser und den damit guten Fischbeständen gilt die Art als nicht gefährdet. 

  


 

kingfisher-gurtel-juv.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/kingfisher-gurtel-juv.jpgPublicDomainImage/PixabayPublicDomainImage/Pixabay
Gürtelfischer 

Gürtelfischer

Der Gürtelfischer ist mit 33 cm doch deutlich kleiner und somit schon auch ohne das Gefieder genau zu studieren, leicht vom Vorgänger zu unterscheiden. 

Dabei sind alleine 5 cm der „brutale“ Schnabel. Eine Besonderheit gibt es in Sachen Färbung zu vermerken. Das Weibchen ist auffälliger gefärbt als der „Hahn“. Im Normalfall mag der Gürtelfischer am liebsten Fisch. Dann wenn es knapp wird, ist er aber auch Opportunist. Nimmt auch Insekten, Krebse, Muscheln, Nagetiere oder wird sogar zum Vegetarier und nimmt Beeren. Stärker als der Rotbrustfischer ist er wegen der Anlage seiner Brutröhre an das Flussufer gebunden. Aber: Er brütet nicht im Mittelamerika, also Costa Rica und Panama, sondern weiter im Norden (USA und Kanada). Hier ist er „nur“ Wintergast von September bis Mai.

  


 

kingfischermamazonas_martinkersting.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/kingfischermamazonas_martinkersting.jpgMartin KerstingMartin Kersting
männlicher Amazonasfischer 

Amazonasfischer

Unser Maskottchen ist der Amazonasfischer. Das Exemplar (im Logo) hat den „Namen“ Horst Fischer, zu Ehren eines Freundes aus Costa Rica. Sorry wegen der Unsachlichkeit, aber das wollte ich hier loswerden. 

Dieser Eisvogel ist die Mittelklasse: Etwa 28 cm erreicht er. Seine Gestalt ist aber noch etwas typischer Eisvogel, als die anderen Amerikaner. Und so taugte er besonders zum Karikieren. 

Er nutzt ebenfalls gerne Ufer zur Anlage seiner 1,5 m tiefen und 10 cm im Durchmesser messenden Brutröhren. Wie bei allen Kingfishern, ist ein plötzliches Hochwasser der Todfeind. Oder natürlich vogeljungefressende Schlangen und plötzlich abbrechende Ufer. Wie bei den vorab beschriebenen Arten scheint der Bestand des Amazonasfischers wegen der guten, oft menschenverursachten Fischbestände, gesichert zu sein. Seine Verbreitung bis rund 1.200 m Meereshöhe ist ebenfalls enorm: Von Mexiko bis Argentinien. 

 


 

kingfischer-zweifarbenfischerciris_baumgartner.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/kingfischer-zweifarbenfischerciris_baumgartner.jpgI. BaumgartnerI. Baumgartner
seltener weiblicher Zweifarbenfischer  

Zweifarbfischer

Etwas seltener ist der Zweifarbenfischer. Er schließt sich mit 23 cm Körpergröße an. Sein Verbreitungsgebiet ist auch nicht so groß und erstreckt sich über Mittelamerika und nur bis Ecuador an der Westseite der Anden und an den Atlantikküsten Kolumbiens, Venezuelas und der Guyanas. Auch steigt er nicht so weit in die Berge hinauf, sondern kommt bis maximal 400 m vor. Zumeist gibt er sich scheuer, bevorzugt dichte Wälder, Sümpfe und Mangroven. Da jagt er nach Fischen und Garnelen bis zu 12 cm Länge! Wegen seiner relativen Seltenheit weiß man noch nicht so sehr viel über seine Brut und weiteres Verhalten. Irgendetwas scheint ihn aber doch eher zum Spezialisten zu machen gegenüber den weiteren fünf Amerikanern. 

  


 

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Grünfischer Weibchen 

Grünfischer

Der Grünfischer: Mit 18 cm wird er etwa so groß wie unser europäischer Eisvogel. Wie oben beschrieben, immer ein guter Anhaltspunkt im Gelände. Recht häufig ist er dazu und mit Verbreitung von Texas bis Argentinien. Sein Leben ist aber noch stärker an das Wasser gebunden und so fischt er aus niedriger Höhe, zumeist ein Ast, Fische und Insektenlarven. Wie alle anderen Arten findet die „Erhaltung der Art“ mit Hilfe von selbstgegrabenen Brutröhren statt und sie legen 3-4 Eier. Die echten Fachleute unterscheiden inzwischen bis zu fünf Unterarten. Aber es scheint ja in dieser Zeit der genetischen Revolution nicht mehr verwunderlich, dass wir über Nacht immer einige Vogelarten dazu bekommen. 

 


 

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männlicher Erzfischer 

Erzfischer

Der Zwerg in der „Sammlung“ ist der 13 cm kleine Erzfischer. Mexiko bis Bolivien ist seine Heimat. Ebenso wie der Grünfischer jagt er eher knapp über der Wasseroberfläche. Am liebsten Fischchen, aber auch Kaulquappen und Insektenlarven. Es kommt aber auch vor, dass er sich ein Insekt aus dem freien Luftraum schnappt.  

Seine Röhren zur Brut sind nicht mehr, wie beim Gürtelfischer 2,5 m lang, sondern nur noch 40 cm. Ihm genügt aber auch schon mal ein Erdhaufen oder Termitenhügel als denn unbedingt ein klassisches Steilufer zur Brut. 

 


    

Fun Facts und Erstaunliches:

fischer-rotbrustconnyroland.jpeghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/fischer-rotbrustconnyroland.jpegConny und RolandConny und Roland
Rotbrustfischer 

  • Ein Eisvogel oder Kingfisher mag es gerne gut geklopft. Also weichgeklopft. Hat er eine Beute zu seinem Ansitz zurückgeflogen, schlägt er sie mit Vehemenz gegen den Untergrund, Ast oder Fels. Bis der Fisch oder das Tier nicht mehr zuckt und der eventuell vorhandene Außenpanzer, Gräten oder Stacheln gebrochen sind. So ist die Beute geschmeidiger und wird anschließend immer mit dem Kopf voran ganz verschluckt. Er will so auch verhindern, dass sich z B Rückenflossen oder Kiemendeckel aufrichten und das Schlucken behindern oder die Speiseröhre verletzten. 
  • Kingfisher speien unverdauliche Rest wieder aus: Chitinpanzer, Knochen, Gräten, also all das Zeug, welches für die Verdauung eines Eisvogelmagens eher ein Problem darstellt, wird wieder ausgewürgt. Im Ballen von erstaunlicher Größe. Immer gerne von Birdwatchern „gefunden“, um nachzusehen, was es gestern zu essen gab.
  • In früheren Jahrhunderten waren Eisvögel beliebte Jagdbeute wegen ihrer Federn. Sie wurden zum Schmuck für Damenhüte, Haarkämme oder Ornamente verwendet. Bälge gerne ausgestopft in Vitrinen gestellt. 
  • Eisvögel haben allesamt keinen richtige „Song“. Aber sie alles andere als schweigsam. So könnte man ihre Lautäußerungen eher als Pfeifen, Quietschen, Kreischen oder Gurgeln bezeichnen.
  • Alle Kingfisher sind gute Flieger. Auf ihre ganz spezielle Art fliegt sie gerade wie ein Pfeil. Zuweilen auch etwas im Wellenflug wie ein Specht. Und sogar rüttelnd über freies Wasser sieht man sie jagen. 
  • Geradezu unbeholfen und ungeschickt ist ein Eisvogel auf dem Boden. Seine kurzen Beine und kleinen Füße machen das Gehen beschwerlich. 
  • Im Gegensatz zu vielen anderen Vogelarten mit unterschiedlich gefärbten Geschlechtern beteiligen sich Frau und Mann Eisvogel an der Brut und Aufzucht des Nachwuchses. 

Der Autor

Stephan Martens

Die Natur ist meine Leidenschaft. Und mein Traumberuf seit rund 20 Jahren Reiseleiter: Genauer gesagt bin ich Naturreiseleiter und leite auch Ornithologische Touren. Ökologische Zusammenhänge und die anthropogenen Auswirkungen finde ich spannend. Mit Gästen Naturbegeisterung teilen, das gefällt mir.

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Stephan Martens auf den Hanging Bridges 

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