Flora & Fauna / Costa Rica

Affen in Costa Rica: Brüll-,Klammer-,Totenkopfaffe & die Kapuziner

"Diese Arten gibt es & hier finden wir sie"
10. Juli 2021

Mittelamerika

Costa Rica

Die 4 Affen-Arten Costa Ricas und unsere Tipps, wo sie sie beobachten können

In der Schweiz Mittelamerikas leben, lieben und lachen vier Affenarten: Die da wären zum Ersten die .... Rotrücken-Totenkopfäffchen, bekannt aus Pipi Langstrumpf als Herr Nilsson, als Nummer Zwei die .... Weißschulter-Kapuzineraffen, berüchtigt als Rucksackplünderer im Manuel Antonio Nationalpark, die Dritten im Bunde sind die ... Mantelbrüllaffen, als „Lacher“ in einer früheren Toyota-Werbung, und schlussendlich die ... Geoffroy-Klammeraffen, als „rasende“ Affen durch den Wald.

  

Vier Arten sind bestimmt für ein Land keine rekordverdächtig hohe Zahl, aber wegen der überschaubaren Größe des Gebietes beachtlich. Costa Rica ist nämlich kaum ausgedehnter als die Schweiz oder Nordrhein-Westfalen.

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Geoffroy - Klammeraffe 

Aber, und darauf kommt es ja dem Naturfreund auch an, kaum einem anderen Land lassen sich Neuwelt-Affen so gut beobachten, wie in Costa Rica.  

Denn wer in diesem Land unterwegs ist, kommt an ihnen nicht vorbei. Gut, nicht jeder hat ein Ohr für das Gezwitscher der Klammeraffen oder das verdächtige Rascheln eines Trupps Totenkopfäffchen hoch in den Bäumen des Regenwaldes, aber selbst sich ohne einer unserer Gruppenreisen anzuschließen gelingt es auch dem Mietwagenreisenden oder Individualtouristen Weißschulterkapuziner oder Brüllaffen zu sichten, beobachten und abzulichten. 

Wegen des langanhaltenden Schutzes, der umfangreichen Schutzgebiete, der unterbleibenden Jagd, leider auch hier und dort durch das unsägliche Anfüttern kommt es zu diesen positiven Effekten. Nicht nur die Vertrautheit zum ehemaligen Erzfeind nimmt zu, sondern auch die Bestände sind, zumindest bei drei Arten, deutlich angewachsen. Nur Herr Nilsson, das Totenkopfäffchen, tut sich etwas schwer. 

 

Für die Unterscheidung und liebe Ordnung:


Bevor ich hier die vier verschiedenen Affenarten kurz beschreiben möchte, noch eine kleine allgemeine Affenkunde zur Einleitung:

Die Geografie und Trennung von Europa, Afrika nebst Asien von Amerika durch den Atlantik bestimmt zwei separate Linien der Affen, die beide der Unterordnung Trockennasenprimaten angehören: Die Neuweltaffen aus Mittel- und Südamerika werden wissenschaftlich als die Platyrrhini bezeichnet. Die Altweltaffen (oder Schmalnasenaffen) aus Europa, Afrika und Asien fasst man mit den Menschenaffen und Menschen wissenschaftlich als Catarrhini zusammenfasst. Neu- und Altweltaffen lassen sich am einfachsten an der Nasenform und Zähnen auseinanderhalten.
 
Alle Neuweltaffen, also die Amerikaner unter den Affen, leben ausschließlich auf Bäumen und besitzen alle starke Greifschwänze. Auch der Großteil der Affen der alten Welt sind baumlebend. Jedoch hat keine Art einen Greifschwanz und einige Affen leben fast ausschließlich am Boden. Manche Altweltaffen haben (unansehnliche) schwülstige Polster am Hinterteil. Dies gibt es bei keinem der Affen der neuen Welt.

1. Die seltenen Rotrücken-Totenkopfäffchen

Er ist der kleinste und seltenste Vertreter der Affenarten in Costa Rica und kommt gerade mal auf 29 cm Körperlänge (wie bei allen Säugern ohne Schwanz gemessen). Englischsprachig heißt er „Squirrel Monkey“, also Eichhörnchen Affe. Wohl wegen seiner Fellfarbe und seines unruhigen, nimmermüden Auftretens. Spanisch heißt er „Mono Titi“.

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Rotrücken-Totenkopfäffchen 

Er ist zumeist in relativ großen Gruppen (manchmal bis zu 100 Exemplare) anzutreffen und „wuselt“ gerne in mittleren bis unteren Baumschichten herum.  Sie mögen weder Baumwipfel noch Waldböden, wegen Jaguar und Harpyie. Sein Verbreitungsgebiet beschränkt sich im Wesentlichen auf den Manuel Antonio Nationalpark und sein Umfeld sowie die Osa-Halbinsel im Südwesten Costa Ricas. Kleine Bestände leben noch in Panama und so darf sich die Art als mittelamerikanischer Endemit rühmen. 

Totenkopfäffchen sind in Costa Rica relativ zutraulich, auch Menschen gegenüber. Denn, wie oben schon vermerkt, fehlt seit vielen Jahren die Bejagung. 

Sie ernähren sich überwiegend tierisch, also von Insekten, Spinnen, kleinen Wirbeltieren wie Echsen oder Fröschen und Vögeln. Aber auch Eier und Jungvögel werden verzehrt. Bei Pflanzenkost sind sie sehr wählerisch: junge Knospen, bestimmte feine Triebe und Früchte einzelner Baumarten bereichern den Speisezettel. Deshalb und wegen dieser Nahrungsvorlieben sind sie auch nimmermüde und oft hektisch unterwegs, scheuchen dadurch Lebewesen auf und plündern regelrecht reife und ausgewählte Pflanzenbestände oder Teile. 

Gute Orte sie zu sehen sind eben genau der o a recht touristische Nationalpark. Dann weiter der Corcovado Nationalpark auf der Osa-Halbinsel. Als Geheimtipp: Die Bootstour auf dem Rio Sierpe von Sierpe (bei Palmar Sur) aus. Kokopelli, eine kleine feine Firma unter deutscher Leitung bietet Mangroventouren mit guten Sichtungschancen. 

2. Die frechen Weißschulter-Kapuzineraffen

Kapuzineraffen können bis zu 44 cm erreichen und sind wohl die lebhaftesten und „frechsten“ Affen in Costa Rica. Nun, eigentlich ist „frech“ ja eine sehr menschliche Interpretation. Ihren Namen verdanken Sie ihrer typischen Fellzeichnung. Ihre ersten Beobachter, also Spanier, fühlten sich an die Kutten der Kapuzinermönche erinnert.

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Weißschulter-Kapuziner 

Englisch werden die weißschultrigen Kapuzineraffen als „White-faced capuchin“ und im Spanischen als „Mono Carablanca“. Die englischen und spanischen Namen geben wir hier gerne an, weil es leider keine deutschsprachigen Bestimmungsbücher über Costa Ricas Affenwelt gibt und man vor Ort vom heimischen Führer eben zumeist nur diese genannt bekommt. 

Der Weißschulter-Kapuziner (auch Panama-Kapuzineraffe) lebt im gesamten Land – sowohl im Regenwald und Trockenwald. Sowohl an der Küste und in den Mangroven, als auch im Hochgebirge bis über 2.500 m Meereshöhe. Auf einer unserer Rundreisen ist es fast garantiert, mehrmals Kaupzineraffen-Herden zu begegnen und zu beobachten.

Meist klettern, hüpfen und streifen sie in einer Horde von 25 bis 30 Tieren von einem Urwaldbaum zum anderen. Dort, wo sich mehr Touristen aufhalten und die letzte Scheu verflogen ist, laufen sie dem Besucher recht häufig über den Weg. Ein nicht nur positives Beispiel ist hier der Manuel Antonio. Die Gäste sollten eben auch nicht allzu leichtsinnig sein, denn gerade Plastiktaschen und Rucksäcke sind auf der Suche nach Nahrung eine beliebte Beute. Und in Zeiten von Selfies und Handys ist ein Bild von einer sich künstlich aufregenden Badenixe beim Affenverscheuchen natürlich ein beliebtes Motiv. Viele Touristen provozieren hier die Begegnung und daher ist die Parkverwaltung sehr darauf erpicht, den Leuten das (verbotene) Einschmuggeln von Essen in den Park zu erschweren. Eine wirkliche Unsitte, Wildtiere mit Keksen und Ähnlichem aus der Hand füttern zu wollen. Es macht die Affen krank und unnötig vertraut. Und wenn ich dann noch von Park-Besuchern (nicht meinen Gruppenteilnehmern) die Frage vernehme, ob man die Affen streicheln kann, dann weiß ich, dass ich es mit einem „Homo degenerensis“ aus der Großstadt zu tun habe. 

Sie ernähren sich vielseitig von Insekten, kleinen Wirbeltieren, Vögel in allen Farben und „Entwicklungsstufen“ sowie Früchte und Blätter bestimmter Pflanzen. Sie gebrauchen sogar Werkzeuge wie Stöcke oder Steine, um an besonders nahrhafte Muscheln, Krabben und Schnecken zu gelangen. 

Somit....ich kann keine speziellen Orte empfehlen, sie zu beobachten. Sie sind an so vielen Orten im Land und sogar an vielen Orten zutraulich und stellen somit den Fotografen nicht unbedingt vor unlösbare Probleme. 

3. Die Geister des Regenwaldes: Die Mantelbrüllaffen

Es sind recht stämmige und kräftige Affen, erinnern auch so ein wenig, gerade vom Gesicht her, an den Gorilla Afrikas. Daher auch der spanische Name „Mono congo“, der Affe der vom Kongo stammt. Laienhafte Erstbeschreiber und Namenspräger dieser Primaten und anderer Organismen waren ja oft spanische Abenteurer und Seefahrer, nicht eben Wissenschaftler.

bruellaffemartinkerstingcra004b06.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/bruellaffemartinkerstingcra004b06_0.jpgM. KerstingM. Kersting
Brüllaffe 
Stattliche 60-70 cm und fast 10 kg erreichen die größeren Männchen, in Costa Rica „Macho“ genannt. Der deutsche Name erklärt sich einerseits aus dem goldfarbenem und mantelähnlichen Deckfell auf dem Rücken insbesondere der männlichen Alttiere und natürlich aus seinem Stimmorgan. Sie zählen zu den lautesten Landtieren überhaupt und ihre unheimlichen durchdringenden Rufe schallen kilometerweit durch den Regenwald. Daher hielt man sie früher zunächst für die Geister des Waldes. Sie brüllen zumeist frühmorgens einerseits um ihr Revier zu verteidigen und um mit anderen Gruppen Kontakt zu halten. Aber auch durch menschliche Rufe und Maschinen-“brüllen“ kann man sie zum Rufen animieren. 

Ihr Lebensraum sind alle Waldtypen in Costa Rica und auch das Kulturland bis in 2500 Meter. Im Gegensatz zu den übrigen drei Arten kommen sie auch schon mal auf den Boden und bewegen sich dort auch recht geschickt und schnell. 

Sie leben tagaktiv von Pflanzen. Sind sonst, außer was die Stimme betrifft, recht ruhig in ihrer Lebensweise, suchen nach Blättern, Blüten und Früchten. Ausgedehnte Verdauungspausen mit rechts und links von den Ästen lustig herabhängenden Gliedmaßen wechseln mit aktiven Phasen. 10 bis 20 Tiere umfasst eine Gruppe, meist bestehend aus 1-3 Männchen, 5-10 Weibchen plus Jungtieren. 

Die Brüllaffen in Costa Rica sind im fast ganzen Land anzutreffen. Die Bestände nehmen zu und die in den vergangenen Jahrhunderten schon von ihnen entvölkerten Gebiete werden wieder besiedelt. Ein sehr positives und sichtbares Zeichen dafür, dass der Tourismus in Costa Rica den Naturschutz und schließlich alle 4 Affenarten profitieren lässt. 

4. Der Geoffroy-Klammeraffe: Der Gibbon Mittelamerikas

Schlanke Körper und dünne Arme und Beine sind seine Kennzeichen. Er ist sogar mit maximal 85 cm etwas länger als sein Verwandter der Brüllaffe, aber mit maximal 9 kg etwas leichter. Ihr englischer Name „Spidermonkey“ sagt auch etwas über seine Gestalt und Lebensweise. Überaus geschickt und schnell, so akrobatisch wie Asiens Gibbons, bewegen sie sich insbesondere in den oberen Baumetagen. Sie sind seltener als Brüllaffen und Weißschulterkapuziner, sowie nicht so zutraulich. Stimmlich auch ruhiger, noch zuerst durch ein vogelähnliches Gezwitscher zu entdecken. Aber auch bellende Rufe gehören zum Repertoire. 15-40 Tiere gehören zu einer Gruppe und sie weisen eine ähnliche Geschlechts- und Alterszusammensetzung auf wie die Brüllaffengruppen.

klammeraffeedrohlendorfcr_a004b06.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/klammeraffeedrohlendorfcr_a004b06.jpgA. & J. OhlendorfA. & J. Ohlendorf
Klammeraffe 

Ihre Lebensräume sind eher die Tiefländer; sowohl Mangrovenwald, Trockenwald und Regenwald werden bewohnt.

Bevorzugte Nahrung sind auch Blätter und Pflanzenteile, aber vorrangig Früchte. Ab und zu auch Insekten und deren Larven. 

Gute Orte, um sie zu beobachten und zu fotografieren sind die Finca Canas Castilla der Familie Sutter und ihr privates Schutzgebiet bei La Cruz im Trockenwald. Oder die Region um Boca Tapada im nördlichen karibischen Tieflandregenwald und dort das Privatschutzgebiet der Lodge „Pedacito de Cielo“ oder auch das der Maquenquelodge. Aber auch auf der Finca Bavaria bei Uvita tauchen sie immer wieder auf. 

Tipp: Achten sie beim Urwaldwandern auf ihr „Gezwitscher“ hoch oben in den Bäumen.  

Der Autor

Stephan Martens

Die Natur ist meine Leidenschaft. Und mein Traumberuf seit rund 20 Jahren Reiseleiter: Genauer gesagt bin ich Naturreiseleiter und leite auch Ornithologische Touren. Ökologische Zusammenhänge und die anthropogenen Auswirkungen finde ich spannend. Mit Gästen Naturbegeisterung teilen, das gefällt mir.

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