Die Extremadura gilt zurecht als das ornithologische Highlight im Südwesten Europas. Hier findet der Vogelfreund und Naturbeobachter Arten, die in anderen Gegenden mühsamer zu finden sind. Zum Beispiel haben wir hier Gänsegeier oder Wiedehopf, welche in ganz Spanien gut vertreten sind, nicht aufgeführt.
Wir leiten seit vielen Jahren vogelkundliche Reisen und Naturreisen in dieser wunderbaren Landschaft. So haben wir hier mal zusammengetragen, was nach unserer Erfahrung, den Birdwatcher aus Mitteleuropa, besonders interessiert. Wir verraten Ihnen, wo es gute Plätze gibt, für bestimmte Arten, wie sie dort am besten aufzuspüren sind und wo es für die Fotografen Verstecke gibt. Fotoverstecke, auch Hides genannt, bieten eine ausgezeichnete Möglichkeit zur Anfertigung von hochwertigen Fotos.
Aber auch der Naturbeobachter sollte diese spannende Möglichkeit nutzen: Einige Stunden bei absoluter Stille und mit Geduld auf das warten, was draußen passiert.
Mönchsgeier
Die Extremadura ist sicherlich der Verbreitungsschwerpunkt für Mönchsgeier in Europa. Allein im Nationalpark Monfragüe Brötchen über 300 Paare. Somit ist das die größte Kolonie weltweit. Im Norden der Extremadura, somit am Mittelauf des Tajo, leben noch mal rund 400 Paare. In ganz Spanien rechnet man zurzeit mit etwa 1500 Paaren.
Ihre Bestände gingen bis vor wenigen Jahren noch zurück wegen Vergiftung, Eiersammeln und Zerstörung der Horste. Die Entwicklung der Population ist heute leicht positiv. Insbesondere in der Extremadura.
Ihre Hauptnahrung ist das Aas großer und mittlerer Säugetiere. Zum Beispiel Schafe, Ziegen, Kälber oder Hunde. Er dominiert oft am Kadaver, denn sein kräftiger Schnabel kann die Haut großer Tiere aufreißen.
Sie bevorzugen bewaldete Gebirgslandschaften mit guten Aufwinden und großen Bäumen, zum Beispiel Korkeichen für den Horstbau. Die Brutzeit findet im Januar bis Mai statt und sie legen nur ein Ei. Die Paare bleiben ein Leben lang zusammen. Der Mönchgeier ist weniger gesellig als der Gänsegeier, tritt aber am Kadaver durchaus zu mehreren Exemplaren auf.
Seine Maße sind sehr eindrücklich, so erreicht er doch 3 m Flügelspannweite und bis zu zwölf Kilo Gewicht. Sie erreichen ein Alter von bis zu 40 Jahren.
Wo und wie zu beobachten?
Im Nationalpark Monfragüe am sogenannten Geierfelsen gibt es gute Möglichkeiten. Bei dem massiven Auftreten der Gänsegeier ist es jedoch nicht ganz einfach, den Mönchsgeier zu finden. Es gibt im Park viele Horststandorte, die aber wegen Störungsgefahr zu Recht nicht gut zugänglich sind.
Ein weiterer guter Ort ist die Steppe zwischen Caceres und Trujillo, um Santa Marta de Magasca. Hier sieht man sie kreisend auf der Suche nach Aas.
In den nördlichen Tail an der Extremadura, zum Beispiel im Valle de Ambroz oder im Valle de Jerte sind die Mönchgeier teilweise häufiger als die Gänsegeier. Es gibt hier auch einen sehr gut funktionierenden Geierhide. Dort findet man bei kontrollierten Unterstützungs-Fütterungen Gänsegeier zu Mönchsgeier im Verhältnis 60 zu 40 an. Hier ist es möglich, Mönchsgeier und Gänsegeier aus wenigen Metern Entfernung zu beobachten und zu fotografieren. Bei der Nahrungsaufnahme, beim Trinken, beim Streit und bei der Gefiederpflege.
Blauelster
Die Blauelster kommt in Europa mit einigen hunderttausend Paaren nur auf der iberischen Halbinsel vor. Gerade in der Extremadura ist sie häufig und weit verbreitet, und ihr Lebensraum deckt sich mit der Verbreitung der Dehesas. Also mit den Stein- und Korkeichenwäldern, sowie lichten Pinienhainen. Aber auch parkähnliche Wälder mit Übergang zu Weiden und Obstflächen werden besucht. Sie halten sich das ganze Jahr über hier auf und ziehen nicht nach Süden.
Es gibt eine zweite größere Population in Ostasien. Warum diese Gruppen so weit voneinander entfernt liegen, ist nicht geklärt.
Sie nisten in lockeren Kolonien, sind zumeist rastlos unterwegs und sehr wachsam, manchmal scheu. Immer auf der Suche nach Insekten, Hundert- und Tausendfüßern, Früchten und Beeren. Auch Jungvögel und Echsen werden nicht verschmäht.
Wo und wie zu beobachten?
Hören Sie auf Ihre markanten Rufe. Wenn sie sie dann sehen, haben sie sie schon lange gesehen. Nutzen Sie das deckungsreiche Gelände, um sich langsam anzupirschen. Zwischen Natur-Steinmauern verlaufen oft kleine Wanderwege, von wo aus man sie dann überraschen kann.
Nutzen Sie auch ihr Auto als Fotoversteck. Wenn sie landwirtschaftliche Wege und Schotterpisten langsam abfahren, können Sie aus dem Fenster heraus gute Erfolge erzielen. Öffnen Sie die Fenster nicht erst wenn sie sie erspäht haben, sondern fahren Sie mit geöffneten Fenstern. Dann hören sie auch die Rufe. Das Autostoppen, Motorabstellen und Öffnen der Fenster könnte sie schon vertreiben.
Eine optimale Möglichkeit bieten Hides, Foto- und Beobachtungsverstecke. Es gibt in der nördlichen Extremadura ein Versteck an einem Teich am Waldrand. Hier tauchen regelmäßig Blauelstern, Turteltauben, Eichelhäher, Kernbeißer, Pirol, Girlitz und Grasmückenarten auf. Sie sitzen dabei hinter getöntem Glas, in wenigen Metern Entfernung und auf Höhe der Wasseroberfläche des Trinkteiches. Die besten Sitzungen sind frühmorgens oder am späten Nachmittag, frühen Abend. Rechnen Sie mit jeweils 3-4 Stunden Aufenthalt.
Rötelfalke
Der Rötelfalke ist in der Extremadura wieder relativ häufig. Man rechnet für Spanien mit ungefähr 11.000 Paaren, Tendenz steigend. Es gab historisch in den letzten Jahrzehnten einen drastischen Bestandseinbruch wegen des intensiven Pestizideinsatzes, insbesondere DDT. Nisthilfe-Projekte sind sicherlich gut gemeint, jedoch haben Änderungen in der Landwirtschaft zur Verbesserung der Situation geführt.
Sie bewohnen offene, trockene Landschaften wie Dehesas, Steppen und Kulturland, ernähren sich dort von großen Insekten (90%), Scolopendern und Skorpionen. Daneben werden Echsen, kleine Schlangen und kleine Nagetiere erbeutet.
Sie kommen vom Flugverhalten (Rüttelflug) und Flugbild daher wie ein kleiner Turmfalke, weshalb man sie schon mal übersieht. Aber sie jagen auch zum Teil in Gruppen, was der „große Bruder“ nicht macht.
Im Winter steht seine Nahrung kaum zur Verfügung und so zieht der Rötelfalke ab Juli/August als Langstreckenzieher nach Afrika (Senegal, Mali) und überwintert südlich der Sahara. Im Senegal sind im Winter bis zu 30.000 Rötelfalken an einem einzigen Rastplatz gezählt worden.
Die Brut findet von Mai bis Juli in kleinen Kolonien statt, die relativ dynamisch sind. Sie können schnell entstehen und wieder verschwinden. Oft werden Burgen, Kirchen, Klöster, Dächer von Arenen, freistehende oder verlassene Gehöfte in der Steppe als Brutorte gebraucht. Hier bevorzugen sie Mauernischen, Halbhöhlen oder Freiräume unter den Hohlziegeln aus Ton.
Wo und wie zu beobachten?
Nutzen Sie in der Steppe ihr Auto als Foto- und Beobachtungversteck. Achten Sie in der Steppenlandschaft insbesondere auf einzelnstehende Gehöfte. Die finden sich fast immer Rötelfalken. Schauen Sie auch immer an freistehenden Burgen und auf Ruinen, welche auf Bergspitzen angeordnet sind. Hören Sie dabei auf ihre keckernden Rufe.
Zwei Orte, in denen sich im Moment Kolonien befinden: Die Stierkampf-Arena in Trujillo und in Pueblo de Alcocer (altes Kloster).
Blauracke
Die Baracke ist in der Extremadura ein relativ zuverlässig anzutreffender Brutvogel. Sie bevorzugt offene, warme Landschaften in den Dehesas, sowie lichte Wälder und Kulturland mit alten Bäumen. Mit ihrer Farbe mutet sie schon fast tropisch an. In Europa wird der Bestand auf circa 100.000 Brutpaare geschätzt. Schwerpunkte sind Spanien, Portugal und Italien. In der Extremadura ist die Population stabil. Insgesamt ist der Bestand rückläufig.
Das liegt an den zu intensiven Landwirtschaften, am Einsatz von Pestiziden und an der illegalen Bejagung in Nordafrika und im Mittelmeerraum.
90 % ihrer Nahrung besteht aus Insekten, hauptsächlich Käfer Heuschrecken Grillen Zikaden und Libellen. Aber auch Spinnen und Tausendfüßler, sowie kleine Wirbeltiere werden erbeutet. Sie sind typische Ansitzjäger und stoßen dann im Gleitflug auf ihre Beute. Aber auch im Flug sind sie als Jäger nicht ungeschickt, besonders beim Schwärmen der jungen Zikaden. Zur Brut verwenden Sie Höhlen. Verlassene Spechthöhlen oder auch selbst gegrabene Brutröhren in Sand- und Lehmwänden. Ihre Brutzeit liegt im Mai bis Juli.
Die Männchen zeigen spektakuläre Balzflüge, das so genannte Rollen. Daher der englische Name Roller. Achten Sie dabei auf ihre spektakulären Rufe.
Ab August / September verlassen Sie die Brutgebiete und überwintern südlich der Sahara in Ostafrika und Südafrika.
Wo und wie zu beobachten?
Suchen Sie mit dem Auto nach auf Stromleitungen, Zaunpfählen oder kleinen Bäumen sitzenden Exemplaren. Fündig werden sie in den Dehesas und Steppen bei Trujillo, Caceres und Badajoz. Gute Orte sind weiter der Nationalpark Monfragüe und die Sierra de San Pedro mit altem Baumbestand und Sandwänden für Brutröhren. Manchmal findet man auch gemeinsame Brutplätze bei Bienenfresserkolonien.
Rechnen Sie aber immer damit, dass Beobachtungen oder Fotos im Freiland aus einer Distanz von circa 20-50 m gemacht werden.
Ideal und perfekt für die Beobachtung aus ganz geringer Entfernung sind kleine Fotoverstecke. Es gibt mehrere Orte für diese Möglichkeit, sie funktionieren aber nicht immer alle gleich gut. Der Schutz der schönen Vögel hat Priorität. Fragen Sie hierzu gezielt an. Wir stellen Ihnen gerne eine komplette Tour inklusive Hotelübernachtungen in der Nähe und, wenn notwendig, Mietwagen zusammen.
Theklalerche, Kalanderlerche und Grauammer
Die Dehesas und noch mehr die Steppen in der Extremadura sind hervorragende Gebiete, um Lerchenarten wie Theklalerche oder Kalanderlerche zu beobachten. In den fast identischen Lebensräumen finden Sie auch die Grauammer.
Deshalb behandeln wir sie hier pauschal.
Die Theklalerche ist in der Extremadura (Spanien) sehr häufig, man schätzt mehr als 1 Million Brutpaare. Ihre Nahrung besteht aus Insekten, aber auch Samen und frischen Pflanzenteilen. Dabei bewegt sie sich meistens auf dem Boden, manchmal auch in der Nähe von Büschen und kleinen Bäumen. Sie nutzen niedrige Sitzwarten. Die Brutzeit erstreckt sich von April bis Juli, das Revier wird vom Männchen verteidigt mit Gesang und Flugvorführungen. Es ist circa ein bis 2 ha groß. Achten Sie auf den Gesang (Stimme der Dehesa) um sie zu identifizieren, denn die Abgrenzung zu Haubenlerche ist nicht einfach. Sie sind das ganze Jahr über standorttreu nur in kalten Wintermonaten ziehen Sie in tiefere Lagen oder nach Nordafrika.
Ihr Name stammt vom französischen Naturforscher Pierre Thekla.
Die Kalanderlerche, die größte europäische Lerche, ist ebenfalls ein typischer Bewohner der Steppe (auch extensive Äcker) mit niedriger Vegetation. In der Extremadura ist der Bestand stabil, bis leicht ansteigend. Ihre Nahrung besteht jedoch mehr aus Sämereien und Körnern, über 70 % der Nahrung. Im Frühling und Sommer werden wir Insekten und Gliederfüßer genommen., Wegen der Aufzug der Jungen. Ihre Aktivität findet im Wesentlichen auf dem Boden statt, sie nutzen aber auch Beobachtungpunkte wie Steine, Zaunpfähle. Ihr Revier verteidigen sie ebenfalls mit Gesang und Flugvorführungen, es ist aber etwas größer, als dass der Theklalerche mit 2-5 ha. Beim Gesang (Stimme der Steppe) imitieren Sie anderer Vogelstimmen, Säugetier, laute oder sogar mechanische Geräusche. Sie brüten in der Steppe manchmal sogar zweimal zwischen März und August. Die jungen sind Nestflüchter.
Grauammern sind wohl die häufigsten Vögel der Extremadura und die größte Ammer Europas. In Spanien gibt es mehrere Millionen Paare. Im übrigen Europa war sie früher auch sehr häufig, aber die Intensivierung der Landwirtschaft hat zu massiven Rückgänge geführt. Ihre Nahrung sind Sämereien und Getreidekörner. Und machen rund 80 % der Nahrung aus. Zur Brutzeit bevorzugen Sie Insekten und Wirbellose. Sie dauert von April bis Juli. Bei der Suche ihrer Nahrung bewegen sich meistens am Boden wie die Lerchen, bevorzugen sie Sitzwarten auf erhöhten Punkten. Zum Beispiel Büsche, Zaunpfähle oder Stromleitungen. Dann erfolgen kurze Flüge zur Beute.
Ihren Gesang lassen sie fast ganzjährig hören, besonders intensiv von April bis in den Herbst. Ihre Reviere umfassend 2-5 ha und sie werden intensiv vom Männchen verteidigt. Grau sind Teilzieher oder Standvögel, d.h. ein Teil der Population zieht nach Süden oder in tiefere Lagen. Wie die beiden voran genannten Lerchenarten nisten sie auf dem Boden.
Wo und wie zu beobachten?
Nutzen sie auch für diese Vögel ihr Auto als Safari-Fahrzeug. Sie müssen kein Allrad haben, um auf den wenig befahrenen Schotterstraßen in der Steppe zu beobachten und fahren. Lassen sie am besten die Fensterscheiben unten, um die Vögel nach dem Anhalten nicht zu beunruhigen. Dabei schlucken sie natürlich Staub, „Opfer müssen gebracht werden“. Seien sie vorsichtig mit dem Hinausstecken ihres Fernglases oder Objektives. Ein lautes Klacken kann sie verschrecken.
Es gibt an verschiedenen Stellen (in Spanien) aber auch Beobachtungverstecke. Sie befinden sich zumeist an künstlich hergestellten Wasserlöchern und an denen sich Beobachtunghütten befinden. Sie funktionieren jedoch nur in den Trockenmonaten Juli und August. Hier kann man, bei guter Hitzebeständigkeit, die drei oben genannten Arten prima fotografieren und beobachten, in Augenhöhe. Dabei erscheinen auch noch andere Lerchenarten oder sogar Spießflughühner und Sandflughühner. Fragen Sie uns gerne dazu.












