Flora & Fauna / Portugal

"Mare nostrum": deine Pflanzen

"Sinnbild für Süden, Sommer und Sonne"
08. Februar 2021

Europa

Portugal

Die Mittelmeerpflanzen im Profil

Die typischen Pflanzen Südeuropas sind gerade für Naturfreunde ein Grund, um die Regionen rund um das Mittelmeer zu bereisen.  Zu gerne umgeben wir uns schon in der kühlen Heimat mit Olivenbäumchen, Zwergpalmen und Oleander. Sie sind heute ja leider Massenartikel, welche auch wegen der immer niedrigeren Preise nicht mehr gepflegt, sondern nur noch eine Sommer-Saison am Leben gehalten werden. Mir als gelernter Gärtner tut es in der Seele weh. Als Kind habe ich Oleander aus Stecklingen gezogen, über Jahre aufgepäppelt und immer wieder umgetopft. OK, bis dann ein strenger Winter selbst im Gewächshaus dem Leben der Südländer ein Ende bereitete.

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Zwergpalme in Deutschland  

 

Seit ich keine eigenen Pflanzen mangels Gartens und wegen zu intensiver Reisetätigkeit besitze, verspüre ich beim Anblick von Wandelröschen, Bougainvillea und Feigenbaum im kalten Norden eher Mitleid. Wie deprimierend muss es für diese Lebewesen sein, in Ostwestfalen-Lippe im Nebel zu stehen.

Irgendwie sind sie aber auch ein Fremdkörper in unseren Gärten oder Parkanlagen. Gut, die Blühfreude über den Sommer ist bei vielen Vertretern der Mittelmeervegetation beachtlich, viele sind aber nur einfach schön grün. Exotische Gefühle, eben Sommerlaune sollen sie vermitteln. 

Vorsichtig verwendet, um hier und da in der Nähe des Hauses einen Akzent zu setzen, finde ich es schon passend, mediterrane Flora zu zeigen. Ausgepflanzte erwachsene Exemplare von hundertjährigen Oliven aus Italien oder meterhohe Palmen aus spanischen Baumschulen lehne ich ab - ästhetisch und auch aus Umweltgründen.

 

Schauen sie sich doch diese Lebewesen in ihrer Heimat an. In ihrem natürlichen Lebensraum und in ihrer Freiheit. Das gelingt am Besten in Spanien, Frankreich oder Portugal. Ein relativ schmaler Streifen am Nordrand des „Mare Nostrum“ ist kennzeichnend für das Mittelmeerklima. Dieses gehört zu den Subtropen.  

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Die Merkmale für das Mittelmeerklima sind gemäßigte bis heiße Sommer und milde, fast frostfreie Winter. Die Niederschläge liegen von den Gesamtmengen her zumeist unter unseren Durchschnittswerten in Mitteleuropa und konzentrieren sich auf das Winterhalbjahr. 

 

Nachfolgend möchte ich nun einige besonders bekannte Mittelmeerpflanzen beschreiben und gleichzeitig Tipps dazu geben, wie Sie sie und wann Sie sie dann auch blühend in freier Wildbahn aufspüren können. Und... als Birdwatcher weiß ich das, sie haben ja den Vorteil, nicht wegfliegen zu können.

Die Vertreter der Mittelmeerpflanzen

Die Pinie: Eine Kiefer mit wunderschöner Schirmkrone

Pinienbaum 

Wer nach Iberien entlang der Nordroute, reist wird sie schon in der Region Bordeaux waldbildend sehen. Freistehend bilden sie dann die typische ansehnliche Schirmkrone aus. Dabei können sie 30 Meter erreichen und bringen essbare Samen, die „Pinienkerne“, hervor. 

Sie ertragen die Sommerhitze und Trockenheit recht gut, sind windfester als andere Kiefern und so auch gerade im Küstenbereich oft anzutreffen. 

 

Die Mittelmeerzypresse: Landschaftsprägend gerade in der Toscana als Säulenzypresse

Aus der Familie der Zypressengewächse fällt, gerade in Säulenform, dieses aromatisch duftende Nadelgehölz ins Auge. Gerne nutzen es die Menschen um Grundstücke, Wege, Gebäude zu betonen oder den passenden gestalterischen Rahmen zu geben. Alleen werden von ihnen gesäumt und Plätze eingerahmt. Zum Teil verwildern sie auch als Säulenform. 

Rund 25 Meter sind eine stattliche Größe, finde ich. Und sie heilen mit ihren ätherischen Ölen sogar Atemwegserkrankungen. 

 

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Feige 

Korkeiche: Wichtiger Wirtschaftsbaum zur Erzeugung von Eichenkork

Eine südliche Eichenart, also die Cousine unseres deutschesten aller Bäume, der Stieleiche. Dominiert viele Landschaften Iberiens, gerade in der Extremadura und im Alentejo. Sie ist immergrün und bildet bei einer Höhe von bis zu 20 Meter lockere Bestände. Die Blüte erfolgt im Winter, die Korkrinde wird alle 8 Jahre, unproblematisch für den Baum, abgeschält und ist nicht nur für den Vino Tinto unverzichtbar. Korkeichen sind, by the way, Vogelschützer; leben doch in diesen lichten Wäldern mehr Vögel, als in allen anderen Lebensräumen in Europa. 

 

Feigenbaum: Ein Maulbeergewächs mit fantastischen Früchten

Heute ein Cosmopolit. Aber der Schwerpunkt bleibt mediterran. Nur bis zu 5 Meter, sommergrün und oft verwildert bietet er sehr aromatische Früchte. Frisch vom Baum geklaut schmecken sie am besten, aber auch getrocknet kannte man sie zumindest früher von „unter dem Weihnachtsbaum“.  

„Ein Gärtchen, Feigen, kleiner Käse und dazu drei viel gute Freunde, das war die Üppigkeit Epikurs“ (Friedrich Nietzsche) 

Und, .... wussten Sie, wenn sie eine Feige genießen, verspeisen Sie auch die sterblichen Überreste einer kleinen Wespenart. Denn diese dringen durch eine enge Röhre in die Blüte ein, verenden dann dort und werden von der Feige letztendlich verdaut. 

 

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Bougainvillea 

Die Drillingsblume oder Bougainvillea: Der stachelige Maratonblüher

Sie ist ein Massenartikel im engen Topf und in den Gartencentern der Welt. Aber freikletternd, unter südlicher Sonne dann doch am Schönsten. Sicher, wie so einige hier beschriebene Pflanzen ist sie ursprünglich woanders Zuhause. Nämlich in Brasilien. Aber am Mittelmeer spürt man ihre ganze Lebensfreude in Form von ausdauernder Blütepracht in allen erdenklichen Farben. Fast kitschig-quitschig bunt und benannt nach einem französischen Abenteurer.

Der Lorbeerbaum: Symbol des Ruhmes, Sieges und Friedens

Wenn Sie das „Silberne Lorbeerblatt“ vom Bundespräsidenten erhalten haben, dann haben Sie wohl auch schon eine olympische Medaille auf dem Kerbholz. 

Schon in der Mythologie der Antike war dieser Baum wohlbekannt. Heute finden wir sein Laub übel braungekocht in der Suppe.

Er erreicht bis 20 Meter und fühlt sich in schattigen und feuchten Wäldern in Küstennähe wohl.  Im Osten des Mittelmeergebietes ist er häufiger. 

 

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Oliven 

Der Ölbaum oder Olivenbaum: Häufigster Kulturbaum am Mittelmeer

Bis zu 15 Meter werden Oliven, wenn sie nicht geschnitten werden. Und genau das werden sie in Kultur recht drastisch. Ihre weissen Blüte erscheinen im Mai und die Früchte werden ab Oktober geerntet. 

Angeblich verdanken Spanier, Griechen und Italiener ihnen ihr langes Leben. Direkt vom Baum schmecken sie bitter und scharf, sind aber grundsätzlich roh essbar. 

Schwarze Oliven waren einfach länger am Baum als Grüne Oliven. Und aus 20 Kilo Oliven entstehen rund 4 Liter Öl.

Ölbäume gelten als unverwüstlich, werden bis 6000 Jahre alt und ihre Wurzeln suchen das Wasser bis in 6 Meter Tiefe. 

 

Der Mandelbaum: Die „Wunderkirsche“ des Südens

Kirsche? Ja, die Mandel ist eine nahe Verwandte der Kirsche. Kommt verwildert und in Kultur im Süden Spaniens und Portugals recht häufig vor. Sie blühen zahlreich und wunderschön rosa schon je nach Region im Januar und Februar. Mit nur 8 Meter bleiben sie überschaubar groß und ihre Früchte, die Mandeln werden vielseitig in der Küche verwendet. Oder auch zur Herstellung des Mandelöls. 

Die Mandel diente auch als Symbol für die unbefleckte Empfängnis: Christus wurde als Herrscher über die Welt mit einer Mandorla, einem mandelförmigen Heiligenschein, dargestellt.

 

Orangenplantagen  

Der Orangenbaum: Seit dem 16. Jahrhundert am Mittelmeer und somit vom Einbürgerungstest befreit

Zitrone, Orange, Mandarine, Grapefruit (Pampelmuse) oder Kumquat sind Zitruspflanzen und stammen aus China. Heute zu finden in jedem Garten von Griechenland bis Portugal und auch als Kübelpflanze in so manchem Wintergarten in Dunkeleuropa.

Aber auch in großflächiger Monokultur u a in Spanien. Ganze Landschaften werden umgestaltet und es sieht in Blüte, mit oranger und gelber Frucht sogar malerisch aus. 

Mit 5-7 Meter sind sie recht klein. Ihre Verwendung kennt kaum Grenzen, von Saft, zu Frischobst oder auch zu ätherischen Ölen. 

 

Der Oleander: Aus der Familie der Hundsgiftgewächse

Die Wildform findet man rund ums Mittelmeer. Seine Blüten sind rosarot. Bevorzugste Standorte sind zeitweise trockene Bachbetten auf steinigen Böden. 

Sie bleiben strauchförmig und mit 2 bis 4 Meter ziemlich klein. In Kultur gibt es größere Formen und fast alle Farben. In Rund 200 Sorten!

Sie lassen sich leicht über Stecklinge vermehren und verzeihen (überleben) viel gärtnerisches Ungeschick.

 

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Oleander 

Erdbeerbaum: Ein Erikengewächs mit viel Potenzial

Die knallroten Früchte dieses bis zu 10 Meter hohen Baumes oder Großstrauches werden so ein wenig zu geringgeschätzt. Vollreif und süß sind sie nur kurze Zeit und daher schlecht zu transportieren. Die relativ harte Schale mit warziger Oberfläche dann nicht ganz jedermanns Sache. Aber beim Wandern oder Birdwatchen in den Kulturlandschaften im Süden Spaniens und Portugals direkt vom Baum ein hervorragender Snack. 

Ich habe so den Eindruck, dieser Baum oder besser seine Frucht verdient mehr Beachtung, als hier und da als Kuriosität als Likör verwendet oder in einem Kuchen verbacken zu werden. 

Die hübschen Blüten und die erst gelben, dann roten Kugelfrüchte zeigen sich zwischen Oktober und März. Im Süden Portugals genußreif im Dezember.

 

Die Lippenblütler der Macchien: Aroma, Duft und Blüte pur

Wer kennt sie nicht? Die Kräuter der Provence? Im ganzen Mittelmeergebiet dominieren sie die Krautschicht der Macchiengesellschaften. 

Dazu gehören Thymiane und Rosmarin. Aber auch Lavendelarten. 

Thymian wird als Küchengewürz verwendet, wie auch Rosmarin. Daher werden sie auch gerne in unseren Hausgärten und in sonniger trockener Lage in die „Kräuterspiralen“ gepflanzt. Mit den Mengen von Thymian und Rosmarin, der in der Krautschicht am Mittelmeer wächst, könnte man wahrscheinlich ganze Galaxien an Planeten mit Würze versorgen. Wanderer sind betört allein vom intensiven Duft dieser Landschaft. Am blühfreudigsten sind die Lavendel. Im Süden Iberiens ist der Schopflavendel (Blüte März bis Juni) häufig, in Südfrankreich der Echter Lavendel (Blüte Juni bis August). Letzterer wird auch gewerbsmäßig angebaut um die Öle zu gewinnen. 

 

Erdbeerbaum 

Zwergpalme: Einzige europäische Palme

Sie macht ihrem Namen alle Ehre und wird nur bis maximal 4 Meter groß. An der Küste von Portugal bis Italien ist sie insbesondere in den Macchien vorzufinden. Oft verbissen vom Weidevieh, selten frei wachsend. Aber auch die Gärtner der Regionen haben ihre Freunde an ihrer Widerstandskraft und auch trotz Trockenheit fast immer frischgrüner Erscheinung. 

Häufige gepflanzte und auch verwilderte Palmen sind die australische Hanfpalme (Fächerpalme wie die Zwergpalme auch) und die Echte Dattelpalme aus Arabien. Beide erreichen Baumgröße. 

Der Autor

Stephan Martens

Meine Leidenschaft ist die Natur. Und mein Traumberuf seit rund 20 Jahren Reiseleiter: Naturreiseleiter, aber auch für Ornithologische Reisen. Ökologische Zusammenhänge und die anthropogenen Auswirkungen sind mir dabei wichtig. Es gefällt mir, mich gemeinsam mit Reisegästen für Naturschönheiten zu begeistern.

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