Flora & Fauna / Costa Rica

Faultiere in Costa Rica: Ladenhüter der Evolution

07. August 2021

Mittelamerika

Costa Rica

Faultiere in Costa Rica

Abhängen, ein ganzes Leben lang und zwar so perfekt und auf die Spitze getrieben, dass sich Arme und Beine, ja sogar der Fellscheitel dem Dauerklettern im Hängen angepasst haben.

faultier-dreifingercutaruempler.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/faultier-dreifingercutaruempler.jpgUta RümplerUta Rümpler
Dreifingerfaultier 

Faszination Faultier: ein altertümliches Säugetier, lebendes Fossil, aus der Familie der Zahnarme und Nebengelenkstiere, verwandt mit dem Ameisenbären und Gürteltier. 

 

In Costa Rica ist es nicht weniger als eine Ikone. Es ist das offizielle Nationalsymbol des Landes und wie auch ohnehin das gesamte Land Costa Rica, samt seiner friedlichen Einwohner, ein absoluter Sympathieträger ist. 

Grund genug für uns, diesen Artikel dem Faultier zu widmen. Was macht es besonders, was ist eigentlich ein Megatherium und wo kann man gut (und langsam) Faultiere auf Rundreisen beobachten. 

Das Faultier in Costa Rica - Schon gewusst? 

Der Bauplan des Faultieres ist uralt. Sie besitzen zusätzliche Gelenke im unteren Bereich der Wirbelsäule (Überordnung der Nebengelenkstiere) und nur wenige Zähne mit einem Scherenbiss („Zahnarme“... eigentlich nicht ganz zutreffend ..). 

In Costa Rica gibt es zwei verschiedene Arten der Faultiere, das Zwei-Finger-Faultier und das Dreifingerfaultier. Zehen haben die Faultiere immer drei. 

Sicher ist vielen bekannt, dass das der etwas lethargische Baumbewohner ein hochspezialisierter Pflanzenverwerter ist und die langsame Bewegung eine hochentwickelte Überlebensstrategie ist.

 

Das Faultier besitzt an den gleichlangen Armen und Beinen beachtliche Sichelkrallen, die besonders auch als Steigeisen und Hangelwerkzeuge dienen. Das Faultier hängt so sicher und fest, dass sie sogar auf einen Greif-, Wickel oder Rollschwanz wie ihn viele Primaten oder Kleinbären haben, verzichten können. 

Möglich macht das ein einzigartiger Bauplan. Der Brustkorb wurde in einen Tragekorb gewandelt mit verstärkten Rippen. Die inneren Organe wurden um 135 Grad umgelagert, um nicht von den Eingeweiden gedrückt zu werden. Arme und Beine besitzen ein Wundernetz aus Adern, um Erlahmungen durch das ständige „Abhängen“ entgegen zu wirken. 

 

Es ist beeindruckend, denn alles wird verkehrt herum erledigt. Auch geschlafen wird hängend und gut getarnt, so stark zusammengezogen, dass sogar ein Igel neidisch werden könnte. Als vollkommene unscheinbare Kugel hoch oben in den dürren Ästen hängen die Faultiere, fast unsichtbar und gut geschützt gegen die oft starken Dauerregen, Schauer oder Gewitter der tropischen Urwälder. 

Am zottigen und strohigen Fell des Faultieres prasselt der Regen wirkungslos ab, es ist so dicht und steif, dass ein Jaguar mit seiner Pranke das Fell fast nicht durchschlagen kann. Es hält warm und schützt; nicht einmal ein versehentlicher Sturz vom Baum vermag das Faultier ernsthaft zu verletzen. Es ist quasi sein zottiger Panzer und wenn doch mal eine Verletzung auftritt, dann wird sie verblüffend (scheinbar) leicht ertragen.

faultierdreifingerboden_biancahahn.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/faultierdreifingerboden_biancahahn.jpgBianca HahnJosef StegmillerBianca Hahn
Dreifingerfaultier 

 

Das ist aber noch nicht alles, was das Fell dem Tierchen bietet. Eine besondere und imposante Symbiose (zwischen niederen Pflanzen und höheren Säugetieren) überzieht das ganze Knäul mit einem grünlichblauen Schimmer, der wie eine Tarnkappe für das Faultier im Kronendach fungiert. Jeder der beiden Faultierarten besitzt eine einzigartige Haarstruktur und bietet so attraktiven Nährboden für das Wachstum „faultierspezifischer“ Arten der Grün- und Blaualge und unter Mithilfe der immer feuchten Luft der Tropen. Allerlei lebt neben den Algen noch weiter im Fell: tausende Milben, Zecken und Haarlinge und sogar spezialisierte Schmetterlinge aus der Familie der Zünsler.

  

Eine ganz besondere Dreieckssymbiose mit Motte und Alge lebt das Dreifingerfaultier. 

 

Forscher fragten sich im Jahr 2014, warum das Dreifingerfaultier zum Kot absetzen seine sicheren Baumkronen verlässt. Es schleppt sich fast hilflos über den Boden, um seine Notdurft zu verrichten… Es würde ihm wohl egal sein, auch was die Nachbarn tuscheln, fiele der Unrat einfach vom hohen Tropenbaum auf die nährstoffarmen Böden im Urwald. Sein direkter Verwandter, das Zweifingerfaultier gibt wenig darum und lässt eben den Kot vom Baum fallen.

faultier_zweifinger_adobe.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/faultier_zweifinger_adobe.jpgMartin Kersting
Zweifingerfaultier 

Es kann nur eine wertvolle Symbiose sein, die den sonst phlegmatischen Tagträumer dazu bringt: Das Faultier nutzt die Alge als zusätzliche energiereiche Nahrung, denn sie ist fettreicher als seine Blätternahrung und leichter zu verdauen. Um die Alge im Fell anzubauen, benötigt das Faultier die Schmetterlinge, die im konzentriert abgesetzten Kot des Tieres ihre Eier ablegen. Dort entwickeln sich die Raupen zu adulten Tieren und fliegen beim nächsten Absetzen des Kotes das Faultierfell wieder an. Sie bringen Kotreste und weitere aufgenommene Stoffe in das Fell mit ein. Auch verendete Schmetterlingskörper helfen und versorgen so die Alge mit Nährstoffen. 

Das Zweifingerfaultier ernährt sich neben Blättern auch von Früchten und Blüten. So ist es deshalb nicht so sehr auf selbstgezogene Algen angewiesen. 

 

Mit dieser tollen körperlichen Ausstattung kann es das Faultier also gelassen angehen lassen. Mit seinem Leben auf dem Kopf, in den immergrünen und blühenden 

Wipfeln der tropischen Urwälder.

Kein Wunder, dass die Sinne verhältnismäßig stumpf geblieben sind. So sind doch Passivität und Trägheit die wesentlichen Waffen des Faultieres. Und es wäre es doch allzu falsch, blind und quirlig auf Gefahren zu reagieren. Viel zu leicht wäre es so zu finden für Jaguar und Prachtadler. Wenn es überleben kann, dann als Fellkugel, die trotz aller sonstigen Trägheit blitzschnell und urplötzlich mit der staken Kralle nach dem Gegner schlagen kann. In diesem Überraschungsmoment wird der Gegner meist stark verwundet und lässt ab. 

 

Ein uralter Bauplan, der auch heute gut im konkurrenzreichen Urwald der Tropen funktioniert. Ein Bauplan, der sich nicht mehr sehr verändert hat in der letzten Zeit und somit nahe am evolutionstechnischen Optimum erscheint.

Zahnarme und Nebengelenkstiere: Das Faultier, die „Ladenhüter der Schöpfung“

Die Faultiere sind letzte Zeugen einer vorsintflutlichen anmutenden und alten Ordnung der Säugetiere. Lebendig im Heute und Jetzt und gar nicht mal selten ist das Faultier in Mittelamerika vertreten.

Beachtlich, dass die Geschichte der ersten Vertreter dieser Säugetiere bis in die ferne Urzeit reichen. Vor 50 oder 60 Millionen Jahren, als die letzten Saurier dahingerafft wurden, besetzten sie in ganz Südamerika die freigewordenen ökologischen Nischen. Eben diese Vertreter der Zahnarme und Nebengelenkstiere. Als Riesenform lebten 7 Meter große riesige Erdfaultiere und nashorngroße Gürteltiere über das isolierte Südamerika noch bis zum Ende der Eiszeiten. Schon von den frühen Menschen in Amerika wurden Sie in Höhlen gefangen und verwertet. In ihren zwergenhaften Nachfahren haben sich aber als Familie noch bis heute erfolgreich erhalten. Urtümliche Säuger, einer besonderen Gruppe: Die „Ladenhüter der Schöpfung“. 

 

Schon gewusst: Dass einige Bäume in Costa Rica sich mit Stacheln am Stamm vor dem Riesenfaultier geschützt haben sollen? Heute nun völlig nutzlos, der Stachelpanzer. Auf unseren Natur-Rundreisen durch das Land begegnen wir immer wieder Arten dieser Bäume und können so teilnehmen an der lebendigen Geschichte der Natur!

Zweifingerfaultier 

Das Faultier als Nationalsymbol Costa Ricas

Viele wirklich besondere Eigenschaften des tiefentspannten Baumbewohners haben wir nun gelesen. Verständlich also, dass man ein so sympathisches, robustes und altes Tier zum Nationalsymbol erhebt. So geschehen in Costa Rica am 13.11.2021. Ein Sympathieträger, der den internationalen Touristen auf die reichhaltige Fauna des Landes aufmerksam machen soll. Wir sind davon überzeugt, es hätte kein anderes Tier des Landes besser gepasst!

 

Aber das Faule Tier soll auch einen Vorteil haben, das Nationaltier zu sein.

Und so wurde die ICE, das staatliche Elektrizitätsunternehmen Costa Ricas beauftragt, das Faultier besser vor Stromschlägen zu schützen. Denn der freundlich und immer Grinsende erklimmt allzu gerne die blanken Stromleitungen und Masten, um Straßen zu überqueren. Dabei werden immer wieder Faultiere schwer verletzt und manchmal gar getötet. Das ist ein Grund, warum sich Faultierauffangstationen z B an der karibischen Seite gegründet haben. Dort werden verletzte Faultiere und Baby-faultiere, die Ihre Mutter verlorenen haben, versorgt und aufgezogen. Zum Teil wieder ausgewildert, zum Teil aber wenn dies leider nicht mehr möglich ist, zu kommerziellen Zwecken auch in Käfigen gehalten werden. Nur zu gut also, dass das Faultier Nationalsymbol geworden ist. Erlaubt ist, was hilft!

 

Faultiere finden  Unsere Tipps vom Naturreiseleiter

So einfach ist das gar nicht: Denn sie sind ja Meister der Tarnung und sprinten eben nie. Ortkundige Führer wissen natürlich vom Vortag, in welchem Baum gerade ein Exemplar zu finden ist. Oder eben, dass sie dort dann in der Nähe suchen. Auch mit geschultem Blick ist es hoch oben in den Baumkronen trotzdem schwierig und auch für Guides nicht immer so schnell auffindbar.  

faultierzweifinger_biancahahn.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/klammeraffenmanigatterercr_a004b06.jpgStefan ManigattererJosef StegmüllerBianca HahnBianca Hahn
Zweifingerfaultier 
 

Sucht man somit im grünen Einerlei und ohne Führer, dann hält man Ausschau nach braunen oder grauen Fellkugeln. Gerade in Ameisenbäumen (Cecropia) rollen sie sich gerne zur Rast zusammen und tarnen sich dabei auch als Termitenbau, das ist aber auch keine Gesetzmäßigkeit. 

Zeitsparender ist, gerade in frequentierten Nationalparks wie dem Manuel Antonio, in Ruhe zu beobachten wo Menschentrauben hinter einem Guide stehen, der sein Spektiv gerade auf ein „Felltier“ ausrichtet.

  

Oder fragen sie auch die Heimischen oder Hotelbetreiber: In vielen Gärten hängt irgendwo ein Faultier ab. Sie schätzen zum Teil die Nähe der Menschen, wegen der guten Futterbäume und geringerem Feinddruck. Auf der Finca Canas Castilla bei La Cruz weiß die Betreiberin Agi immer, wo gerade ein oder zwei Faultiere „hausen“ und mit viel Geduld hilft sie dann, bis alle es gesehen haben.

Auch an der Karibikküste im Hotel Suizo Loco bei Daniel hängen Sie ab, mal zu mehreren, mal alleine. 

Auf unseren eigenen Touren sehen wir außerdem zu den oben angeführten Orten oft Faultiere an der Karibikküste im Küstenregenwald um die Dörfchen Cahuita und Puerto Viejo. 

Die Autorin

Sabrina Martens

Seit meiner Kindheit leitet mich die Freude und das Interesse an der Natur. Mein Entdeckergeist führte mich in verschiedene Länder. Dort entwickelte sich aus dem naturkundlichen Interesse und der Leidenschaft für Vogelbeobachtung die berufliche Reiseleitung & Reiseausarbeitung für Naturfreunde. 

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Weiterführende Information

Interessante Naturreisen

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 Ihr Spezialist für Costa Rica und Spanien
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