Flora & Fauna / Costa Rica

Kolibris: Costa Ricas schillernde Draufgänger

"leben und lieben: Immer extrem"
16. Februar 2021

Mittelamerika

Costa Rica

Der Kolibri

Aus dem satten Grün der Regenwälder blitzen sie heraus:

kolibri_-_vulkanelfe_a.hasselmeier.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/kolibri_-_vulkanelfe_a.hasselmeier.jpgA.HasselmeierA.Hasselmeier
Vulkanelfe, endemischer Kolibri 
Schillernd, schnell und schlagfertig. 

Sie sind kleine Hochleistungsmaschinen, die keine Zeit verlieren, sie geben vollen Einsatz bei der Liebe und sind erbarmungslos mit ihren Konkurrenten.

Wir schauen uns mal an, wie so ein Kolibri lebt und liebt, welche Superkräfte so ein schillernder Persönlichkeit besitzen muss und warum die Kollegen aus den Tropen die härtesten Gegner im Kampf sind. 

Trochilidae: Der Kolibri allgemein

Kolibris sind sehr kleine und schnelle Vögel mit Schnäbeln, die auf die Aufnahme von Pflanzennektar spezialisiert sind und in ihrer Form und Länge stark variieren. Kolibris und Pflanzen koevolvierten sich sogar (z.B. Schnabel und Blumenform oder Nektargeschmack nur für Kolibris).

 

Mit einem beeindruckenden Schwirrflug, der mit bis zu 90 Flügelschlägen pro Sekunde eine liegende Acht beschreibt, können Sie auf der Stelle fliegen.

kolibri-_schattenkolibri_biancahahn.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/kolibri-_schattenkolibri_biancahahn.jpgBianca HahnBianca Hahn
Schattenkolibri 

Sie sind endemisch auf dem amerikanischen Kontinent, kommen dort aber so gut wie überall vor. 

Kolibris haben gute Augen um sich im schnellen Flug zu orientieren. Die Lokalisierung der Nahrung und die Partnersuche geschieht ebenfalls über ihre Sehkraft. Sicher sehen Kolibris so gut wie wir und besitzen zusätzlich die Fähigkeit, UV Licht wahrzunehmen. 

Kolibris in Äquatornähe migrieren gewöhnlich nicht, schon aber die Arten, die außerhalb der Tropen leben. Sie können bis zu 2.000 Kilometer weit wandern. Der Kolibri "stopft" sich vor seiner Wanderung so voll, dass er fast nicht mehr fliegen kann. 

 

-Nahrung-

Das Herz des Kolibris schlägt bis zu 500-mal pro Minute. Schnelle und unruhige Gesellen sind sie, die das Vielfache Ihres Köpergewichtes aufnehmen müssen, um ihren enormen Energieverbrauch zu stillen.

Der Kolibri ernährt sich wesentlich vom süßen Blütennektar, aber hier und da schnappt er sich auch mal ein Insekt. Er kann sowohl Krabbeltiere von Pflanzen „absammeln“, sowie auch im Flug fangen.

kolibri-_elvirabronzekopf_martinkersting.jpghttps://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/kolibri-_elvirabronzekopf_martinkersting.jpgMartin KerstingMartin Kersting
Elvira-Bronzekopfkolibri 

Tagesbestimmend ist die Nahrungsaufnahme und so kommt es, dass der Kolibri ca. alle zehn Minuten eine Mahlzeit zu sich nimmt. 

Der Kolibri hat ein, zur Körpergröße proportional gesehen, großes Hirn, das es ihm ermöglicht sich zu erinnern, wo er Mahlzeiten gefunden hat. Er orientiert sich dabei optisch mit Hilfe seines besonderen Sehvermögens. 

 

Die Aufnahme von Nektar erfolgt nicht durch Saugen, sondern durch "Schlecken".  Die Zunge kann bis zu 13-mal in der Sekunde Nektar aufnehmen und an den Rachen weiterleiten.

  

-Die Balz-

Der Balztanz der Kolibris ist trotz seiner kurzen Dauer sicher sehr kraftraubend für das Männchen. 

Während das Weibchen es sich bequem macht auf ihrer Warte, legt das Männchen so richtig los.

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Feuerkehlkolibri im Hochland 

 

Gebalzt wird unter anderem mit einem rasanten Sturzflug, der bis zu 100 km/h erreicht. Dabei spreizt er seine Schwanzfedern, um mit dem durchrauschenden Wind einen zwitschernden Sound zu erzeugen. Das ist auch der Grund, warum der Kolibri auf englisch Hummingbird heißt. Der Sound ist ein summiger, brummiger Groove, der in einem Zwitschern endet. 

Jede Kolibri-Art besitzt ihren eigenen Sound. Wir kennen diese Federgeräusche ja von der Bekassine, die man auch deshalb Himmelsziege nennt. 

 

Die Männchen der Eremiten (Gattung der Kolibris mit ca. 10% der Kolibriarten) beeindrucken ihre Weibchen mit ihren bunten und schillernden Farben, die, stark vereinfacht ausgedrückt, vor allem durch die besondere Struktur der Federn entstehen. So leuchtet der Kolibri je nach Blickwinkel in den schrillsten und buntesten Farben. Im richtigen Winkel fliegen so die Männchen der Eremiten dann vor den Auserwählten hin und her und präsentieren sich im ganz genau richtigen Licht. 

 

-Nachwuchs-

Das Nest und die Jungenaufzucht ist dann die Sache der weiblichen Kolibris. Das auffällige Männchen würde wohl die Lokation des Nestes verraten.

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Kolibrinest mit zwei Eiern 

Sehr sorgfältig und mit viel Ehrgeiz wird ein Napf-nest aus vielen Kleinigkeiten gebaut, wie Pflanzenteilen und Spinnenweben. 

Einige Kolibris heften ihre Nester an Blattunterseiten, einige nutzen Astgabeln. In Costa Rica haben wir auch schon Nestern auf Stromleitungen gesehen. Die Brutzeit in Costa Rica ist normalerweise von November bis März. 

 

Die Kleinen werden 25 Tage von der Mutter versorgt. Zumeist mit einem Brei aus Käfern, anderen Insekten und Blütennektar. 

 

-Der Kolibri & die alten Kulturen-

Schon die Indianer des nordamerikanischen Kontinents hielten viel von ihren schillernden Begleitern, der Kolibri galt als treu und schön. 

Die Azteken und Mayas glaubten, dass der Kolibri magische Kräfte besitzt und in zahlreichen Mythen und Sagen wird er stets als positives Wesen dargestellt. 

Der Kolibri in Costa Rica

In Costa Rica leiten wir jeden Nord-Winter Naturreisen und ornithologische Reisen. Wir wissen also aus Erfahrung, wie verwirrend die Bestimmung der Kolibris sein kann.

53 verschiedene Arten gibt es, Männchen und Weibchen sind unterschiedlich gefärbt. Da kann man schnell mal die Übersicht verlieren, welcher schimmernde fliegende Edelstein da grade an einem vorbei gesaust ist.

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Zimtbauchamazilie, ein Kolibri 

  

-Der Lebensraum im tropischen Land-

Kolibris leben endemisch auf dem ganzen amerikanischen Kontinent und sind dort auch in allen Ökosystemen zu finden. Sie leben im kalten Hochland, in den feuchten tropischen Wäldern, sogar in Wüsten und auch im Trockenwaldsystem.

 

In Costa Rica kennt sie jeder, die bunten Begleiter findet man hier überall. In den privaten Gärten bedienen sich die häufigen Braunschwanzamazilie an den schönen Verbenengewächsen, bevorzugt am Jamaika-Eisenkraut. 

In den tropischen Wäldern funkelt der Violett-Degenflügel aus den Bäumen und sogar über der Baumgrenze, im Paramo, profiliert sich die endemische Vulkanelfe.

Überall wo auch nur eine Blume blüht, da schwirrt auch ein schöner Kolibri, der sich am Nektar laben will.

Die größte Diversitätsdichte der 53 Arten findet sich im mittleren Bergland von 1000 – 2000 Metern. 

 

Hier einige Hotspots für die Beobachtung von Kolibris: 

  • Das zentrale Hochland um den Vulkan Poas mit ca. 26 Arten 
  • San Gerado de Dota ca. 15 Arten 
  • Monteverde ca. 26 Arten 
  • Region Turrialba ca. 15 Arten, jedoch auch die Schönsten und Seltensten 
  • Golfo Dulce mit typischen pazifischen Tiefandarten
  • Boca Tapada und Cano Negro in der Karibischen Tiefebene mit ebenfalls Tieflandspezialisten

 

Auf unseren Naturreisen und unsern ornithologischen Costa Rica Reisen besuchen wir einige dieser Hotspots und kommen den Kolibris sehr nahe. Die Kolibris werden sowohl in der freien Natur beobachtet, als auch an sogenannten Feedern. Das sind Kunststoff-Gefäße, die mit Zuckerwasser gefüllt sind und so die Kolibris damit anlocken.

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Konkurrenz am Feeder 

Die Zuckerwasser-Kontroverse

Es wird viel darüber diskutiert, ob es in Ordnung ist, die wilden Kolibris mit Zuckerwasser aus Glas und Plastikgefäßen zu füttern. 

Ob die Futterautomaten ausreichend gereinigt werden, damit Sie keine Krankheiten und Schädlinge für den Kolibri übertragen, aber auch ob das Zuckerwasser gut für die Kolibris ist. 

Uns scheint das auf den ersten Blick kein Problem zu sein, allerdings ist uns wohl schon die hohe Popuation um die Feeder aufgefallen. Und den damit verbundenen scheinbar harten Konkurrenzkampf um die Futterplätze. 

  

Unser ornithologischer Costa Rica Reiseleiter Stephan Martens sagt dazu folgendes:

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Birding am Poàs-Vulkan 

„Ich habe durch die jahrelange Beobachtung und Vergleiche der Orte, an denen sporadisch oder exzessiv gefüttert wird, den Eindruck, es kommt zumeist zu keinen für die Vögel nachteiligen Erscheinungen. Die Aggressivität an manchen Futterautomaten ist ebenso wie an einem gerade reichlich blühenden Baum zu beobachten. Geschwächte, verletzte oder schlecht konditionierte Kolibris sind mir nie aufgefallen. Vernünftig erscheint mir gute Hygiene, die Qualität des Liquids und auch die Anzahl der Feeder zu begrenzen, auf vielleicht jeweils drei Stück.“

Die Krieger der Tropen

Ein Forscherteam hat beim tropischen Kolibri eine Besonderheit festgestellt.

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Kleiner Veilchenohrkolibri 
Der Veilchenohrkolibri, welcher relativ häufig vorkommt, hat den Schnabel der Männchen nicht auf das "Schlecken" von Nektar spezialisiert. Sondern er wurde für den Kampf geformt. 

 

Der "Säbel" ist starr und hat kleine Haken. Damit kann er den Rivalen hervorragend in die Haut kneifen und sogar Federn rupfen. 

Diese kriegerische Ausstattung wurde aber nur beim tropischen Kolibri beobachtet. Den Grund dafür vermutet man in der hohen Dichte der Flugkünstler. Normalerweise treten 3 – 4 Kolibri-Arten in Konkurrenz zueinander und rund um die Futterquellen. Im feuchten Costa Rica, Kolumbien, Brasilien und Peru sind es aber bis zu 15!

 

Die Autorin

Sabrina Martens

Seit meiner Kindheit leitet mich die Freude und das Interesse an der Natur. Mein Entdeckergeist führte mich in verschiedene Länder. Dort entwickelte sich aus dem naturkundlichen Interesse und der Leidenschaft für Vogelbeobachtung die berufliche Reiseleitung & Reiseausarbeitung für Naturfreunde. 

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