Flora & Fauna / Spanien

Der Wolf in Spanien

"Verhalten, Mythos, Differenzen und Bestandsentwicklung in Iberien"
19. Juli 2022

Europa

Spanien

Der Wolf in Spanien

Der Wolf allgemein (Canis lupus) gehört zur Ordnung der Säugetiere und ist als Fleischfresser bekannt. Die wohl charakteristischsten Merkmale der Tiere dieser Gruppe sind ihre großen, spitzen Eckzähne und ihre scharfen „Schneide-“ und Backenzähne. Nahezu alle Fleischfresser haben ein primitives Verdauungssystem und ihre Krallen an den Extremitäten sind in der Regel scharf oder spitz. Dann sind ihre Schlüsselbeine relativ klein, wodurch ihre schlanke Form zustande kommt. Das Gehirn ist gut entwickelt, daher sind Tiere dieser Gruppe meist intelligenter als die meisten übrigen Ordnungen.

Zu der Familie der Hundeartigen gehören neben dem Wolf auch der domestizierte Hund, der Kojote, Schakale und Dingos.

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Iberischer Wolf  

   

Alle Photos in unserem Bericht sind von unseren lokalen Partnern aus Spanien und zeigen realistsche Beobachtungsdistanzen.
 
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- Steckbrief des Wolfs - 

Der Körperbau des Wolfes zeigt sofort das Raubtier. Die 40 Einzelteile seines Kiefers, sein Brustkorb und seine enormen Muskeln, seine Augen mit der charakteristischen Mandelform, sind das evolutionäre Ergebnis einer Entwicklung im Dienste seiner räuberischen Lebensweise.

Ein adulter Wolf kann zwischen 100 und 110 cm Länge erreichen und eine Schulterhöhe zwischen 60 und 65 cm haben.

Das Gewicht pendelt zwischen 30 und 45 kg, obwohl Ausnahmetiere von bis zu 70 kg gewogen wurden. In der Regel sind Weibchen etwas kleiner. 

Die Größenunterschiede einiger Unterarten lassen sich durch die speziellen Klimata in den Ländern erklären, in denen sie vorkommen. Tiere derselben Art aus wärmeren Regionen haben normal eine geringere Körpermasse, als solche aus kälteren Regionen.

Das Alter des Wolfs kann durchaus 16 Jahre erreichen. In Gefangenschaft auch mehr. 

 

Auf der Welt gibt es rund 30 Unterarten, die sich wohl in 4 Gruppen einteilen lassen:

  • Weiße Wölfe -> Alaska und Europäische Arktis
  • Rote Wölfe -> Vorwüstengebiete in Europa und Asien
  • Graue Wölfe -> Süden von Alaska und Kanada 
  • Braune Wölfe -> z B „Signatus“ auf der Iberischen Halbinsel

  

Der Wolf ist ein Räuber, der in seinem Lebensraum ohne Konkurrenz durch Menschen an der Spitze der Nahrungskette steht.

Dies bedeutet, dass es sich um ein Raubtier handelt, dem es an Konkurrenz zur Dezimierung seiner Population mangelt, und dass die Menge der Individuen nur begrenzt wird durch:

  1. Verfügbarkeit von Nahrung in seinem Lebensraum 
  2. Krankheiten

Allenfalls wenn der Mensch, ebenfalls ein Raubtier - auftaucht, ändern sich die Bedingungen, denn:

  1. Der Mensch sieht den Wolf als Gefahr für sich selbst 
  2. Wolf und Mensch sind Konkurrenten bei der Jagd auf andere Individuen wie Wildschweine, Rehe, Kaninchen
  3. Bei Mangel an Beute erweitert der Wolf auf der Suche nach Nahrung die Grenzen seines natürlichen Reviers und greift auch Schafe oder Ziegen, auch Pferde und Rinder an

 

Sozialverhalten

Der Wolf ein sehr soziales Tier, intensiv verbunden ist sein Leben mit dem Rudel. Die Hierarchie in der Gruppe ist die Grundlage der sozialen Struktur.

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Wolfsrudel beim Spielen in realistischer Beobachtungsdistanz 

Der Wolf wirft im Normalfall einmal jährlich drei bis sieben Junge.

Das Weibchen säugt ihre Welpen, während das männliche Tier sie mit Futter versorgt. Dazu würgt er die Nahrung, die es nach der erfolgreichen Jagd gefressen hat, wieder hoch. Einen Monat werden die jungen Wölfe mit Muttermilch gestillt. 

Sogenannte „Vielfraße“, also Junge, welche weniger als drei Monate zählen, werden von allen Mitgliedern des Rudels gefüttert.

Wenn sie dann mehr als drei Monate zählen, werden Wolfswelpen „Jungtiere“ genannt. Schon mit einem Jahr haben sie bereits den Körperbau eines adulten Tieres. Dann so etwa mit 1,5 Jahren hören sie auf, Junge zu sein und werden „Wölfe“.

 

Das natürliche Verhalten wird zu einem hohen Anteil durch ihre Beziehungen zu anderen Wölfen bestimmt. Sie bilden Gruppen und Rudel, um sich über das eigene Überleben hinaus weitere Vorteile zu sichern. Das soziale Lernen des Wolfes beginnt mit seiner Geburt. Innerhalb der Gruppe der Welpen werden schnell Verhaltensrollen sichtbar, in denen sich einige Junge aufgrund ihrer Überlegenheit gegenüber anderen Jungen „durchbeißen“. Dieser Start ist wichtig für die Entwicklung des Einzeltieres, denn schon hier wird die Priorisierung in der Nahrungszuteilung festlegt.

Schon vom Spielverhalten der „Vielfraße“ (Jungtiere 2-3 Monate) kann man sehen wer nicht drängelt oder rüffelt, wird einen minderen Stand haben. 

Die Schwächeren können von den Stärkeren weiter unterdrückt werden und durchaus auch vom Muttertier verleugnet werden.

Weibchen und Männchen haben ihre eigene Struktur. Die Einzeltiere, die dominieren, werden „Alpha“-Tiere genannt. Die nachfolgenden „Beta“-Tiere und so weiter. Diejenigen Wölfe, welche den untersten Rang einnehmen, heißen "Omega"-Tiere. 

Nach Untersuchungen gibt es bei Paaren eine weit verbreitete Monogamie. Es pflanzen sich nur die jeweiligen Alfa-Tiere fort. Weitere adulte Wölfe und Halberwachsene der Gruppe werden sich nicht vermehren. Nur wenn sie dominant werden oder die Gruppe verlassen, um zum Beispiel ein eigenes Rudel zu gründen.

Die Hauptbeschäftigung des Rudels, ist die essentielle Jagd nach Nahrung. Sie findet fast immer in der Gruppe statt. Während der Nahrungsbeschaffung sind die Aufgaben gut verteilt. Die Jagd funktioniert so: die Beute wird bis zur Erschöpfung gehetzen und getrieben bis ihr Fang und die Tötung möglich ist.

Gehorsam und Disziplin in der Gruppe sind für den Erfolg dieser Teamarbeit sehr wichtig.

Bei der Jagd auf Beute bellen Wölfe nicht, sie heulen auch nicht. Sie knurren und klappern aber mit den Zähnen. 

Im Gegenteil neigen Hunde dazu, sehr laut zu sein. Schon mit dieser Tatsache können Verwechslungen bei Rissen von Haustieren ausgeschlossen werden. 

 

Ein definiertes Stück Land kann nur eine Maximalzahl Wölfe ernähren. Sind es zu viele, trennen sich einzelne Individuen vom Rudel, um dann eine eigene Gruppe zu bilden. Sie muss ein eigenes Revier, also Lebensraum finden. 

Es kommt vor, dass einzelne Individuen, die nicht gut integriert oder aus einer Gruppe vergrämt wurden, scheinbar ziellos durch die Berge, Wälder und sogar durch Kulturland wandern. Sie sind aber eben immer auf der Suche nach neuen Jagdgründen und Artgenossen, um ein neues Rudel zu bilden.

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Wölfe in der Kinderstube  

  

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Zur Morphologie:

Canis lupus signatus heißt der Iberischen Wolf wissenschaftlich. Er ist eine Unterart von Canis lupus, die die Iberische Halbinsel bewohnt und 1907 von Cabrera erstmals beschrieben wurde.

Braun dominiert seine Farbe, aber es gibt auch dunklere und rötlichere Individuen, hauptsächlich im Bereich des Flusses Duero. Junge Tiere haben im Winterhalbjahr meist mehr Grautöne, im Sommer hingegen eine charakteristische dunkelbraune Farbe.

 

Das Fell des Iberischen Wolfs unterscheidet sich durch folgende Merkmale von der Nominalart:

  • Helle Flecken auf den Lippen, auch als „Schnurrbart“ bezeichnet
  • Sehr dunkle Linien von oben nach unten im Bereich der Vorderseite ihrer Vorderbeine 
  • Dunkler Bereich am Schwanz
  • Dunkler Fleck um die Schulter, auch als „Sattel“ betitelt

-> Diese Farb-Zeichen haben der Wolfs-Unterart den Namen „Signatus“ eingebracht. Was natürlich „signiert“ bedeutet, d.h. mit Zeichen.

 

Vorkommen:

Die Iberischen Wölfe bewohnten noch bis Anfang des vergangenen Jahrhunderts die meisten Teil der Landfläche südwestlich der Pyrenäen in guten Populationsstärken. In den vergangenen rund hundert bis hundertfünfzig Jahren haben sie unter intensiver Verfolgung und Veränderung ihres Lebensraumes starke Bestandseinbußen hinnehmen müssen.

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Iberische Wölfe unterwegs 

Die Gesamtzahl der Wölfe der Unterart "Signatus" variiert je nach Quelle. Die letzte halbwegs zuverlässige Zählung ist aus dem Jahr 1988 und ergab die Menge von 1.500 bis 2.000 Tiere. Heute könnte die Population auf ungefähr 2.500 Individuen geschätzt werden. Sie sind die praktisch im nordwestlichen Teil der Halbinsel Iberiens verteilt. Es sollten so um die 350 Gruppen sein. 

  

Nahrung:

Der Wolf ist ein Fleischfresser und lebt räuberisch. Das Meiste besteht aus selbst gejagter Beute. Nur ab und zu sieht man ihn mit Aasfressern um die Reste natürlich oder versehentlich gestorbener Tiere streiten. Er kann aber auch auf Deponien in der Nähe menschlicher Siedlungen und Städte angetroffen werden. Durchaus nimmt er auch mal, in bestimmten Jahreszeiten, Pflanzen und Früchte auf. Zum Beispiel Kirschen, Äpfel, Beeren.

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Ihre häufigste natürliche Beute sind jedoch große Pflanzenesser (Hirsche, Rehe, Wildschweine, Gämse, Iberischer Steinbock, Mufflon) und andere kleinere Säugetiere wie Füchse, Hunde, Kaninchen und Hasen. Manchmal jagen sie oder greifen Nutztiere wie Pferde, Rinder, Ziegen und Schafe an.

Das Verdauungssystem vom Maul und den Zähnen bis zum Darm ist darauf spezialisiert, tierisches Protein, Fleisch zu verarbeiten: zu packen, zu zerreißen, zu verdauen und auszuscheiden. Zunächst sind die Schneidezähne und Eckzähne ein direkt sichtbarer Hinweis auf die Ernährung durch fast nur Fleisch. 

Die Größe der einzelnen Fleisch-Stücke, die ein Wolf im Ganzen gierig herunterwürgt, ist sehr beeindruckend. Die Bewegung seiner Zunge hilft ihm wesentlich, diese großen Teile zu schlucken. Der Speichel ist sicher auch von Bedeutung, um die Stücke zu transportieren. Weniger Bedeutung hat der Speichel aber als Vorverdauung. Die Zunge wird auch gebraucht, um die Knochen ihrer Beute von Fleischresten zu befreien und dann auch wertvolles Blut aufzulecken.

In Spanien setzt sich die Nahrung des Wolfes nach Untersuchungen wie folgt zusammen:

Rechnet man alle Anteile der Nahrung zusammen, so ergibt sich ein Anteil von ca. 75 % der im „Widerspruch zu menschlichen Interessen“ stehen. Früher, als die menschliche Bevölkerung noch geringer war und es noch große nicht genutzte Flächen, da reichte das Territorium und die Ressourcen aus, damit beide Arten, nämlich Mensch und Wolf, überleben konnten. Gelegentlichen Begegnungen zwischen ihnen bedeuteten keine größere Schwierigkeit. In der jetzigen Situation, in der der Homo sapiens anstrebt, alle Ressourcen zu monopolisieren, ist die Existenz des Wolfs gefährdet. Nur in kleinen Gebieten, in denen die Entwicklung der Ausbeutung durch den Menschen noch nicht besonders effektiv verläuft, halten sich überschaubare Bestände. Der Mensch „duldet“ aber, mehr aus emotionalen Gründen, ein Nichtaussterben dieser Spezies. 

In Spanien und Portugal gibt es viele Hirsche, Rehe, Steinböcke, Gämsen und andere wilde Pflanzenfresser, die dem Wolf als Nahrung dienen. Konkurrenz sind natürlich menschliche Jäger. Diese handeln aber lange nicht mehr aus Motiven der Regulierung oder Fleischbeschaffung, sondern aus Sport, Kult und Spaß am Töten.

Gämsen in Spanien 

Während der Eiszeit verschwanden ein Teil der wilden Beutetiere, also Arten, die dann auf Häuslichkeit reduziert wurden.  Wie unter Anderem das Pferd, die Ziege, Schaf oder das Rind. Das Vorhandensein der wilden Pflanzenfresser in freier Wildbahn reicht jedoch für das Leben des Wolfs in einigen Gegenden nicht aus. So kommt es, dass er auch auf alternative Nahrung zurückgreift, eben auf die domestizierten Haustiere.

Das Reh ist das bevorzugte Wild für den Wolf. Aber wir sollten nicht die Bedeutung von Nagetieren (Ratten, Mäuse, Murmeltier, Eichhörnchen) und Hasentieren (Kaninchen, Hase) unterschätzen in seiner Ernährung. Aber auch andere Fleischfresser, wie Hunde, Katzen, Marder, Otter und Füchse sind Teil der Nahrung eines Iberischen Wolfs. Auch Dachse oder sogar Wildschweine, wenn das Rudel das Glück hat, sie einzeln anzutreffen. 

Wie oben erwähnt, nutzt er auch Aas als Ergänzung. Dieses Verhalten auch Ass zu nehmen, hat in den letzten Jahren zugenommen. Denn die Überreste toter Haustiere werden gemäß Gesetz und Ordnung in Weiden absichtlich zurückzulassen und führen somit zu einer Veränderung des Jagdverhaltens des Wolfs. Ursprungsgedanke der Ablage von verendetem Vieh in der Landschaft war die Bestände der Geierpopulation zu stäken. Seit dem Rückgang der extensiven Viehhaltung in Spanien (und Transhumanz) und gleichzeitiger Zunahme von Massentierhaltung in Ställen fehlten diese Ernährungsmöglichkeiten.

Man vermutet aber, dass sich durch diese Praxis auch die Vorliebe des Wolfs für lebendes Vieh erhöht. 

 

Der Wolf und sein räuberisches Verhalten:

Iberische Wölfe leben zumeist in Gruppen von etwa sieben Tieren. Im Frühling und Sommer reduzieren sich die Gruppen zuweilen auf drei bis fünf Erwachsene. Oft zu sehen sind adulte Paaren, die von einem oder mehreren Halberwachsenen begleitet werden.

Die Anzahl der Rudeltiere hängt offenbar mit der Art der Nahrung und Jagd zusammen. Wenn die Nahrung aus sehr kräftigen Tieren besteht (z B Elche, Ren, Wildrinder), müssen die Gruppen groß sein (von 9 bis 15 oder mehr). In Spanien ist die Nahrung und Beute meist kleiner. Somit sind die Rudel auch überschaubarer.

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Beobachtung iberischer Wolf in der Wildnis  

Wölfe bewegen sich, besonders auf der Jagd, in der Regel im „Gänsemarsch“. Nicht immer ist es das Leittier, das den Weg vorgibt. Oft eben ein Mitglied, welches als Scout oder „Vorturner“ fungiert und dem Rest der Meute damit eine Art Signal übermittelt. Manchmal ist es so, dass sich der Scout absichtlich sehen lässt, um die Aufmerksamkeit der Beute auf sich zu ziehen. Und um eine besondere Finte bei der Jagd zu einzuläuten. 

In freiem Gelände verhalten sich Wölfe so, dass die kleinsten oder kranken, schwächlichen Tiere einer Herde von Pflanzenfressern (die Jungtiere und die alten Weibchen) zuerst angegriffen werden. 

Das bedeutet somit nicht, dass die Auswahl des Opfers eine bewusste Entscheidung der Herde ist. Sondern dass sie bevorzugen, die Exemplare zu jagen, die ihrem „Pressing“ nicht schnell genug entkommen können. So können die Gesunden und Starken den Angriffen der Wölfe leichter entkommen. Folglich richten die Räuber ihre Aufmerksamkeit auch auf die Exemplare, die eine körperliche Behinderung oder Krankheit aufweisen. Und somit kommt dem Wolf eine wichtige Rolle zur Gesunderhaltung der Bestände der Pflanzenfresser zu. 

Genossenschaftliches Jagen bedeutet Energie zu sparen. Vor den Opferherden agieren die Wölfe meist wohlkoordiniert, überaus diszipliniert und setzen dann die Technik der Pirsch und Überraschung in die Praxis um. Wenn ihre Jagd durch das Auftreten von z B Schäferhunden behindert wird, so wird einer der Wölfe bestimmt, um die Aufmerksamkeit der Hunde auf sich zu ziehen und abzulenken. 

Wenn andererseits darum geht, Kaninchen zu erbeuten, so arbeiten einige Wölfe als Späher. Andere halten Ausschau und warten. Normalerweise in der Nähe des Eingangs des Baues, wo die bedrängten Beutetiere hin flüchten werden. 

Nur bei wenigen Versuchen, vielleicht jedes 10. Mal, gelingt es den Wölfen, das Reh mit den entsprechenden typischen seitlichen Attacken zu Fall zu bringen. Bei Hirschen liegt die Erfolgsquote solcher Aktionen bei eins zu sechs. 

Der Wolf wendet zwei Jagdtechniken an:

  1. Bei großer Beute wie Rinder, (Wild-)Pferden oder Rothirschen fügen die Wölfe Wunden an Flanken und Bauchregion zu. Die Beute wird geschwächt und die Hatz kann Stunden dauern.
  2. Bei kleinerer Beute beißen sie in den Hals und die Halsregion, um die Luftröhre und die Hauptadern aufzureißen. Es ist das übliche Art, auch Beute von der Größe von Ziegen und Schafe zu erlegen.

  

Die Rechtslage in Spanien:

Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) der E U, die im Mai 1992 erstellt wurde und im Dezember 1995 von der spanischen Gesetzgebung übernommen worden ist, legt fest, dass die Wölfe südlich des Flusses Duero als besonders zu schützende Art von gemeinschaftlichem Interesse betrachtet werden müssen. Später haben dann die Regierungen von Kastilien-La Mancha und Andalusien anerkannt, dass der Wolf als streng geschützte Art gelten soll und ein Entschädigungssystem eingerichtet. Eben um die Schäden zu begleichen, die durch die wieder in diese Gebiete einwandernden Wölfe verursachen.

Stephan MartensStephan Martens
"Lobos no" Nein zum Wolf! Öffentliche Demonstration an einem Gemeindegebäude in Kantabrien. 

Die übrigen Wölfe in Nordspanien (Kastilien-León, Galizien, Asturien, Kantabrien und Baskenland) wurden bisher soweit geschützt, solange die wachsenden Populationen den Menschen und seinem Wirtschaften keinen Schaden zufügen. Das bedeutete, dass der Wolf geduldet wurde, solange er und sein Handeln nicht mit menschlichen Interessen kollidiert hat. Somit war das Gesetz weiterhin freizügig (sinnlos), so dass Wölfe eigentlich wahllos gejagt werden konnten. Einzig die Gemeinde Muelas de los Caballeros, im Norden von Zamora und im Gebiet der bedeutensten Wolfspopulationen Iberiens, zeigte ehrliches Interesse am Erhalt des Iberischen Wolfs und wollte die Jagd auf ihn generell verbieten. Weil er als „Zeiger-Art“ gilt.

In der Realität war es auch in Spanien immer noch so, dass menschliche Interessen auch vor dem Gesetz vorne angestellt wurden und der Wolf als ganz normale jagdbare Art galt. 

Diese Unentschlossenheit, ja Halbherzigkeit in Spanien wirkte sich dann auch auf andere Signatus-Populationen aus. Denn in Portugal leben ungefähr 15 % der Iberischen Wölfe. Die Bevölkerung und Gesetzgebung ist hier eher „wolffreundlich“. Die Wölfe sind in Nachbarland Spaniens durch dieselbe FFH-Richtlinie und zusätzlich durch das „Life-Programm“ der E U gut geschützt. Für viele portugiesische Wölfe war dieser Schutz quasi nicht existent. Insbesondere im dünn von Menschen besiedelten Grenzgebiet zwischen Spanien und Portugal gibt es eine Population von etwa 180 Wölfen. Diese Tiere lebten sicher auf der portugiesischen Seite, wurden aber wahllos erschossen, wenn sie spanisches Gebiet betreten haben. Besonders in Galicien und Zamora war dies der Fall. 

 

Bisher eben haben die Autonomen Regionen nördlich des Duero-Flusses den Wolf als jagdbare Tierart gesehen, was die Beseitgung einer bestimmten Menge Tiere erlaubte, wie in Kantabrien. Dort wurde Ende Juli ein Gesetz erlassen, wonach bis 2021 36 Wölfe eliminiert werden sollten.

Doch um das Gesetz zu vereinheitlichen, hat die aktuelle Regierung von P. Sánchez die Jagd auf sie auf der gesamten Iberischen Halbinsel verboten! So ist es in Frankreich und Italien bereits der Fall. 

„Wenn es um eine seltene Art wie den Iberischen Wolf geht, muss die Verantwortung für seine Erhaltung beim gesamten Territorium liegen", sagte der spanische Umweltminister H. Morán.

Der Wolf ist somit ab heute keine Jagdtrophäe mehr. Auktionen wie in der Sierra de la Culebra (Zamora) müssen beendet werden. Hier wurden zu Höchstpreisen Wolfsabschüsse versteigert.

Die Entscheidung hat jedoch wenig Begeisterung in den Regionen Kantabrien, Asturien, Galicien und Kastilien-León hervorgerufen. Dort lebt der Grossteil der Wolfspopulation. Es ist angekündigt, Rechtsmittel einzulegen.

Während Naturschützer das neue Gesetz begrüssen, halten es die Landwirte für unverständlich.

 

Die Hauptgründe für die Gefährdung des Wolfs in Spanien sind:

  • Permanenter Druck durch Menschen auf den Lebensraum der Wölfe. Schwindende Lebensräume von entsprechender Qualität.
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    Iberische Wölfe  
  • Waldbrände, die auf natürliche Weise, zufällig oder vom Menschen absichtlich verursacht die spanischen Wälder verwüsten. 
  • Die Konkurrenz mit den wirtschaftlichen Interessen von Bauern und Jägern, die auch systematisch mit „Vernichtungsjagden“ nach Wolfsangriffen ausgetragen wird.
  • Ignoranz und Aberglaube der Landbevölkerung, die sicherlich in gewissem Rahmen unter Wolfsangriffen auf ihr Vieh leidet. Sie fürchtet, wie in früheren Jahrhunderten, die Figur des Wolfs als ein Un-Tier, welches mit dem Bösen der Menschheit und negativer Mythologie verbunden ist.
  • Die Auswirkungen der Verbesserung von ländlichen Infrastrukturen. Hauptsächlich sind das Autobahnen und Eisenbahntrassen. Im Verbreitungsgebiet des Wolfs wirken sie als echte Barrieren. Dadurch werden Gruppen voneinander isolieren und intensive Ausschreitungen in den immer kleineren Revieren provoziert. Darüber hinaus verunfallen viele Wölfe bei dem Zusammenstoß mit Kraftfahrzeugen und Zügen. 
  • Das Desinteresse und die Nachlässigkeit der zuständigen Behörden und Regierungen, Gesetze richtig anzuwenden, gemäß den Vorgaben aus der EU auszulegen und Zuwiderhandlungen zu bestrafen. 
  • Das Interesse gutbetuchter Jäger einen Wolf zu töten und dafür Beträge von über 600.000 € zu zahlen.
  • Die Unfähigkeit der Behörden, Wilderei zu unterbinden. 70% der Wölfe, welche jedes Jahr sterben, gehen auf das Konto der Wilderei. Ein Wilderer ist noch nie verurteilt worden. 

 

Menschen und Wölfe:

Das Zusammenleben von Menschen und Wölfen ist vor allem dadurch schwierig, weil es sich um zwei Tierarten handelt, die um die gleiche Nahrung konkurrieren. Diese intensive Konkurrenzbeziehung hat weltweit fast zum Aussterben des Wolfs geführt. 

Es ist richtig, dass Wölfe regelmäßig Schafherden und weiteres Vieh angreifen. So stimmt es aber nicht, dass der Wolf ein gefährliches Tier für Menschen ist. Tatsächlich zieht sich der Wolf von jedem vom Menschen besiedelten Ort zurück.

Wolfsbeobachtung bei Riano 

Es ist sicher Tatsache, dass es sich wie auch beim Fuchs um ein Tier handelt, welches Jagd auf die typischen Pflanzenfresser macht. Dieser ungleiche Wettbewerb zwischen Mensch und Wolf wird systematisch mit dem zumeist illegalen Töten durch die Jagd ausgetragen. Die ebenfalls illegale Verwendung vergifteter Köder zum Beseitigen der Wölfe ist eine weitere Bedrohung.

Für die geschichtliche Aufarbeitung folgen hier jetzt die Beschreibungen der auf der Iberischen Halbinsel sehr gebräuchlichen Arten von Wolfsfallen:

  1. Gassen, Chorcos oder „Löcher“:
    Sie bestanden mehrere Hundert Meter langen Steinmauern. Diese waren an einem Ende durch einen veränderbaren Abstand voneinander entfernt; auf der anderen Seite liefen sie trichterförmig zu und ließen einen Korridor zurück. Dieser führte zu einem zuweilen quadratischen, manchmal kreisförmigen Wassergraben, dessen Tiefe rund drei bis vier Meter betrug. Der Wolf wurde also bei Hatzen und Jagden entlang der Wände, Mauern getrieben, bis er in das Wasser des Grabens fiel.
  2. Cortellos:
    Sie bestanden aus ellipsenförmigen Gehegen, Korallen die durch Trockenmauern erhöht und nach innen mit großen vorspringenden Stein-Platten abgedeckt waren. Außen war die Erde bis auf einen Meter aufgeschüttet, innen war das Gehege mindestens 2 Meter tief. Es wurde eine Ziege oder ein Schaf als Köder in der Mitte des Koralls angepflockt. Da die Mauer an vielen Stellen außen nicht sehr hoch war, konnte der Wolf relativ leicht hinunterspringen und ohne dann anschließend die Möglichkeit zu haben, herauszukommen. Oft tötete der Wolf den Köder, also die Ziege oder das Schaf nicht, sondern konzentrierte sich darauf, aus der Falle zu entkommen.
  3. Kurse:
    Sie bestanden aus einfachen Gruben, welche in den Boden gegraben und mit Ästen und Zweigen bedeckt waren. Also eine klassische Fallgrube. Normalerweise wurden sie an Kreuzungen, die von Wölfen oft gebraucht wurden, angelegt. In einigen Fällen hatten sie spitze Pfähle oder Spieße am Grubengrund, damit der Wolf beim Fallen dadurch verletzt oder getötet wurde.

 

Welche Falle auch immer zur Verwendung kam: Die Menschen konnten sich hasserfüllt nicht verkneifen, die verwundeten, geschwächten Wölfe und mit Maulkorb zu versehenen in den nächsten Städten und Dörfern „auszustellen“ und vorzuführen. Dabei waren sie Schlägen und anderen Misshandlungen ausgesetzt bis zum Tod. 

Aus nicht nachvollziehbarem Grund hat die menschliche Spezies nie verstanden, eine gewisse Würde walten zu lassen. Wenn ein Individuum keine Bedrohung mehr darstellt, es weiter zu erniedrigen und zu quälen. Wo ist eigentlich genau die Eigenschaft, die angebliche Fähigkeit zur Besonnenheit, welche fromme Prediger der Tierart Mensch zuschreiben?

 

Die Mythologie:

Unser Unterbewusstsein, die fast in den Genen verankerte Tradition ist reich an Anspielungen auf die angebliche Perversität und Aggressivität des Wolfs. Der insbesondere katholische Einfluss hat dazu geführt, dass der Wolf als "Monster der Finsternis" angesehen wurde. Er soll sogar mit dem Teufel paktiert haben.

Es ist somit nicht erstaunlich, dass ein geschickter Beutegreifer wie der Wolf, das einzige Tier ist, das in freien Natur in der Lage ist, sich uns zu stellen, ebenbürtig zu sein. Im uralten Kampf zwischen Wolf und Mensch ist die Aggression des Wolfs gegen uns Menschen jedoch deutlich geringer. Als Beweis dürfte wohl die aktuelle Situation Ihrer Spezies genügen, nämlich „fast ausgestorben“.

Sonnenaufgang am Stausee in den Bergen der Wölfe 

Andere meist ältere Kulturen, die weniger danach trachten, die Menschen in Unwissenheit, Unterdrückung und Angst zu halten als die Katholiken, haben im Wolf ein Sinnbild für Gerechtigkeit, Effizienz und Intelligenz gesehen.

Die uralten Mythen von Romulus / Remus oder die von Gargoris / Habis zeigten ähnliche Szenen, in denen menschliche Kinder von Wölfen gesäugt und aufgezogen wurden. 

Die Indianer, Ureinwohner Nordamerikas, sehen im Wolf einen angesehenen Mitbewerber um Beute und Lebensraum, den sie achten, schützen und bewundern. Das chinesische Ideogramm, das den Wolf zeigt, bedeutet sinngemäß „sehr guter Hund“. 

Unsere Historie in Europa und Nordamerika ist jedoch voller Geschichten, in denen der Wolf ein extrem böses, gnadenloses und grausames Wesen ist. Er galt sogar als das Ergebnis der Verwandlung eines Menschen in ein Monster mit niederen und mörderischen Instinkten. 

 

Es gibt Sprüche wie: 

„Da draußen lauert ein Wolf, er will mein Blut. Wir müssen alle Wölfe töten.“ (Stalin)

„Wer sich zum Schaf macht, den fressen die Wölfe“ (Franklin)

 

All dieses sind Vorurteile, die für den unwissenden und abergläubischen Geist des Mittelalters stehen. Sie sollten endlich bei uns angeblich modernen, aufgeklärten Menschen aus den Köpfen verschwinden. Der Sinn des Lebens eines denkenden Individuums liegt nicht darin, einfach nur zu sein, sondern darin, vernünftig zu handeln.

  

Der Autor

Stephan Martens

Die Natur ist meine Leidenschaft. Und mein Traumberuf seit rund 20 Jahren Reiseleiter: Genauer gesagt bin ich Naturreiseleiter und leite auch Ornithologische Touren. Ökologische Zusammenhänge und die anthropogenen Auswirkungen finde ich spannend. Mit Gästen Naturbegeisterung teilen, das gefällt mir.

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