Was sind Neozoen und Neophyten?
Es sind Tierarten und Pflanzenarten,
Die NaturreiseNicht alle Neophyten und Neozoen sind schädlich für die Ökosysteme. Problematisch sind sicherlich diejenigen, die als invasive Arten bezeichnet werden. Die wissenschaftliche Presse und auch die Presseorgane der Naturschutzorganisation liegen aber oft nicht richtig in der Einschätzung. Gerne werden hier insbesondere auch in den sozialen Medien Meinungen verbreitet, die die Untergänge der verschiedenen Ökosysteme darstellen möchten.
Anschließend erfolgen Aufrufe zu Ausrottungsfeldzügen verschiedenste Art.
Wo ist das Problem?
Die grundsätzliche Problematik stellt sich mir so dar: sogenannte invasive Arten verdrängen zum Teil einheimische Arten durch Konkurrenz um Nahrung, Licht und Platz. Dadurch werden Ökosysteme verändert, zum Beispiel durch Bodenüberdüngung durch die Robinie. Es werden wirtschaftliche Schäden verursacht in der Landwirtschaft,
Die NaturreiseAndere Neubürger verursachen bauliche Schäden an den technischen Anlagen (Deiche, Kanäle) der Menschen, wie zum Beispiel Bisam und Nutria.
Beispiele aus der Vogelwelt sind der Halsbandsittich in Mitteleuropa. Er ist entlang der Rheinschiene von Basel bis Amsterdam weit verbreitet. Die Wirkung seiner Ausbreitung und die eventuelle Nachteiligkeit auf die heimische Vogelwelt gerade in seinen bevorzugten Lebensräumen in den großen Städten ist noch unklar. Eine ähnliche Entwicklung gibt es mit dem Mönchsittich in Spanien.
Wesentlich kleinere Organismen tragen da hingegen zu viel massiverer Veränderungen im Ökosystem bei. Als Beispiel sei hier die Zebramuschel genannt. Sie verdrängt heimische Muscheln und verstopft Wasserleitungen. Oder auch zum Beispiel Grasarten aus Afrika und Asien, welche auf fremde Kontinente gebracht werden und dort einheimische Pflanzen verdrängen. Noch ein Beispiel ist der Buntbarsch Tilapia, welcher ebenfalls aus Afrika stammt und in Südamerika, Mittelamerika und auch Costa Rica überall eingeführt worden ist. Er verdrängt einheimische Fischarten.
Für den Menschen und seine Gesundheit sicherlich nicht uninteressant ist die Ausbreitung der Tigermücke in Europa.
Lösungsversuche
Der Mensch aus dem christlichen Kulturraum neigt dazu, überall eingreifen zu möchten. Gerne wird versucht, die Natur zu regulieren und die Ausbreitung von fremden Arten einzudämmen. In den meisten Fällen sind diese Versuche Aktionismus. Es wird nicht viel erreicht, und oft sind die Nebenwirkungen der Bekämpfungsmaßnahmen massiv. Meiner Meinung nach ist es oft eher Gewissensberuhigung.
Die NaturreiseDabei ist es auch ein natürlicher Vorgang, wenn fremde Arten sich neue Lebensräume erschließen. Der Grüne Leguan ist wahrscheinlich ohne Einfluss des Menschen irgendwann auf die Galapagosinseln gelangt und hat vorher in Südamerika gelebt. Er ist vermutlich der Stammvater der Meeresechsen und des Drusenkopfes. Durch den Menschen und seine Mobilität wird gerade in den letzten Jahrhunderten die Ausbreitung von Neozoen und Neophyten aber extrem beschleunigt.
Wie können wir dem entgegentreten? Macht eine Bekämpfung Sinn?
Ich versuche an einigen ganz praktischen Beispielen die Lage darzustellen.
Die Schwarzkopfruderente ist zum Beispiel in Spanien wohl aus der Gefangenschaft von Geflügelliebhabern entwichen und macht der einheimischen Weißkopfruderente Konkurrenz. Beziehungsweise hybridisiert mit ihr.
Bei solch großen Organismen, die auch noch recht selten sind, könnte man eine gezielte Entnahme durch Jagd durchführen. Wahrscheinlich würde dies zum Erfolg führen. Jedoch ist auch die Weißkopfruderente recht selten. Das hat seinen Grund sicherlich in der Veränderung des Lebensraumes durch den Menschen. Wenn die Hybridisierung keine Nachteile zeigt, ist vielleicht für die Gattung Ruderente ein Überleben in diesen von Menschen geprägten spanischen Lebensräumen eine Chance. Die Ausrottung durch Jagd der Schwarzkopfruderente somit ein Nachteil?
Der Eichenprozessionsspinner in Europa wandert immer weiter Richtung Osten. Sie fressen hauptsächlich an Eichen und sind durch ihre Brennhaare eine direkte Gefährdung des Menschen. Allerdings wird das Potenzial überschätzt. Wenn man etwas mit der Natur lebt, findet sich ein Weg.
Sie sind in den vergangenen Jahrzehnten mit unterschiedlichsten Maßnahmen bekämpft worden. Mechanisch durch absaugen, oder durch chemische Maßnahmen wie Spritzungen von Pflanzenschutzmitteln mit Hubschraubern. Der Erfolg ist höchstenfalls sehr regional spürbar. Denn in der großen Fläche ist eine Bekämpfung kaum möglich. Dafür gibt es massive Nebenwirkungen wie der Rückgang anderer Schmetterlingsarten.
Die NaturreiseViele Fressfeinde, wie zum Beispiel Meisen, haben sich inzwischen auf die neue Nahrung eingestellt. Das Potenzial, dass sich die Natur hier selbst reguliert, ist viel größer als das, was der Mensch versucht zu steuern.
Die Halsbandsittiche in Europa besiedeln großen Stückzahlen die Innenstädte vieler Metropolen. Gemäß vieler Fachleute gibt es kaum oder keine Auswirkungen auf die einheimische Vogelwelt. Er besetzt wohl offensichtlich eine ökologische Nische, die relativ arm an Konkurrenz war. Eine Bekämpfung wäre durch Jagd recht einfach und auch erfolgsversprechend. Allerdings ist sie in städtischen Lebensräumen wegen der Gefährdung von Menschen kaum möglich. Somit ist dieser Neubürger schon relativ akzeptiert. Ja, es wird sogar als positiv empfunden, dass eine Vogelart, welcher Herkunft auch immer, es schafft sich in diesen künstlichen Lebensräumen so gut zu etablieren. Das macht dieser Sittich aus Indien besser als zum Beispiel die Gelbkopf-Amazonen in Stuttgart: sie stammen aus Lateinamerika und haben sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer festen Population in der Stadt am Neckar entwickelt. Anfänglich mit steigenden Bestandszahlen. Trotz engagierter Schutzmaßnahmen von Papageienschützern sinken jetzt die Bestände, weil sich die Prädatoren wie Habicht und Sperber auf diese neue Nahrungsquelle eingestellt haben. Die Natur reguliert sich selbst, auch in der Großstadt.
Der Waschbär wird als Neozoen und invasive Art in Deutschland verteufelt. Er fühlt sich in der Kulturlandschaft, einem nicht sehr naturnaher Lebensraum, äußerst wohl. Er wird auch das eine oder andere Nest von Singvögeln plündern. Was dann die Vogelschützer auf die Palme bringt. Dann neigt er auch dazu, Mülltonnen zu durchwühlen oder in Kleintierställe einzudringen und dort Schaden anzurichten. Durch eine Jagd wird man seine Bestände nicht mehr dezimieren können. Die nächtliche Lebensweise, gerade in Städten, macht dies fast unmöglich. Es wäre besser zu akzeptieren, dass er jetzt zu unserer Natur gehört und sich auf die Möglichkeiten seines Einflusses einstellt.
Ein sehr ähnliches Beispiel sind Nutria und Bisam. Sie richten aber nicht nur Schaden an Kanälen und Dämmen an, sondern bereichern, wie der Biber, unsere Landschaft durch mehr Struktur. Genau das, was Hochwasserschützer, Ökologen und Naturschützer möchten, nämlich die natürliche Umgestaltung von Gewässern treiben sie voran. Und das kostenlos.
Ihre jahrzehntelange Bekämpfung, die sogar mit Schwanzprämien belohnt wurden, war völlig wirkungslos. Natürliche Gegenspieler haben sich inzwischen auf sie eingestellt, und so scheinen sich ihre Bestände zu stabilisieren.
Die Naturreise
Kommen wir nun zu einem anderen Beispiel aus der Pflanzenwelt: Pflanzen und Grassamen an der Kleidung von Touristen, zum Beispiel in Costa Rica. Ein Vorgang, der kaum zu stoppen ist, es sei denn, wir würden den Tourismus einstellen. Man kann Gesetze erlassen, Menschen kontrollieren und verhindern, dass ein Apfel nach Costa Rica eingeführt wird. Pflanzensamen, die an Schuhen, Ausrüstung und Kleidung haften, sind damit nicht einzudämmen. In vielen Teilen Amerikas hat sich somit eine europäische-afrikanische Grasgesellschaft eingestellt. Über eine Bekämpfung oder Umkehr des Prozesses braucht man nicht nachzudenken. Zudem ja auch die Grundlage für großflächigen Graswuchs durch die Beseitigung des tropischen Regenwaldes erst durch den Menschen erzeugt worden ist.
Weitere Beispiele aus diesem Land und Kontinent sind die Wasserhyazinthe und das Wandelröschen. Beide bereiten sich ungehemmt aus und an Eindämmung ist nicht mehr zu denken. Aber auch an der Geschwindigkeit der Ausbreitung ist der Mensch maßgeblich beteiligt. Gewässer, die einen natürliche Nährstoffgehalt aufweisen, neigen nicht zur starken Besiedlung mit schwimmenden Wasserhyazinthen. Erst wenn Hausabwässer und landwirtschaftliche Nährstoffe ins Wasser gelangen, ist das Wachstum extraordinär. Im tropischen Regenwald spielt das Wandelröschen keine Rolle, sondern nur auf den nicht natürlichen Weideflächen der Menschen. Im sauberen Wasser eines Naturflusses ist die Wasserrhyazinthe kaum präsent.
Mein Fazit
Zumeist ist also die Naturlandschaft, der Urwald und der von Menschen nicht beeinflusste Lebensraum durchaus in der Lage, mit Neubürgern fertig zu werden.
Die NaturreiseMir erscheinen somit viele Maßnahmen als unnötig und es müsste mehr mit Fingerspitzengefühl agiert werden. Mit mehr Verständnis für die Natur und die Vorgänge in ihr. Ökologisches Verständnis wohlgemeint:
- Wer sind die Gegenspieler?
- Wann beginnt es, sich selbst zu regulieren in der Natur?
- Welche Nebenwirkungen haben meine Maßnahmen, die ich ins Felde führe?







