Flora & Fauna / Spanien

Kleine & wilde Schönheiten: Spaniens Orchideen

"Bunte Figuren und schrille Strategien"
06. Mai 2022

Europa

Spanien

Kleine, wilde Schönheiten Spaniens

Wenn wir an eine Orchidee denken, verknüpfen wir sofort die tropischen und knalligen Baumbewohner der Urwälder.

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Kleines Knabenkraut 
Aber so weit müssen wir nicht reisen um die wilden Schönheiten zu finden. Besonders in Spanien finden wir häufig wilde Orchideen. Unglaublich ist es, dass es dort mehr als 80 verschiedene Arten gibt, die den bekanntesten Orchideen aus den Tropen (Costa Rica ist ein Hotspot) in Schönheit und Kuriosität um nichts nachstehen. 

 

Wenn Sie wissen möchten, wie sie aussehen und welche Orchideen Spaniens die bekanntesten sind, lesen Sie gerne weiter. Ich bin mir sicher, dass Sie am Ende die wilden, hiesigen Orchideen preferieren werden als die Gekauften, Geformt und Gezüchteten, die auf Ihrer Fensterbank stehen. 

 

Orchideen sind immer eine der attraktivsten Blütenpflanzen. Deshalb werden sie in vielen Blumengeschäften und Wohnungen in den Schaufenstern aufgestellt und sogar viele Supermärkte führen sie oft, insbesondere die Phalaenopsis-Orchidee, weil sie wissen, dass die Leute sie lieben.

Die schiere Größe und extreme Farbe, die ihre Blüten zeigen, sowie die oft umwerfend filigrane Schönheit ihrer Blätter und die Art und Weise, wie sie sich öffnen, ziehen viel Aufmerksamkeit auf sich. Aber abgesehen von den wenigen Sorten, die wir aus den Gewächshäusern und Handel kennen, gibt es in Wahrheit auf der ganzen Welt etwa 20.000 verschiedene Arten. Die wenigsten Arten wachsen auf dem Boden und sind auffällig. Die große Menge an Arten kommt durch die epiphytisch wachsenden kleinen Pflänzchen zustande. Sie leben also als Aufsitzerpflanzen gerade und zum Beispiel im Regenwald der neuen Welt. 

 

Was wir fälschlicherweise denken, ist, dass sie exotische oder tropische Orte zum Gedeihen brauchen. Sie können außer in der Wüste und dem ewigen Eis überall auf dem Planeten wachsen. In Spanien auch und sehr wohl!

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Gelber Ragwurz  

 

Spanische Orchideen: Was zeichnet sie aus?

Wenn wir uns auf die wilden Orchideen Spaniens konzentrieren, stellen wir schnell fest, dass sie sehr vielfältig und formenreich sind. Einige von ihnen ähneln denen, die Sie vielleicht aus anderen Ländern Europas kennen, während andere sehr selten und auch schwer zu finden sind. Ein schönes Beispiel ist die Korallenorchidee mit Blüten winziger Größe. Ihre Blüte erscheint fast immer unterirdisch (dadurch kommt es dazu, dass sie nicht immer blüht, sondern alle x Jahre).

 

Besonderheiten der Orchideen Spaniens: 

 

Die Größe:  Spanische Orchideen sind klein im Vergleich zu denen, die Sie als Topfpflanzen kennen. Sie werden oft nicht über 40 Zentimeter hoch.

Ihr Standort:  Spanische Orchideen wachsen zumeist in lichten Wäldern und trockeneren, nährstoffärmeren Wiesen. Durchaus findet man sie, je nach Art und Anspruch, auch an so manchen Flussufern oder sogar in Bächen.

Blühzeitpunkt: Eine ganz genaue Regel gibt es nicht aber man kann sagen, dass sie ungefähr von März bis Juni blühen. Abhängig von der Gegend in Spanien und der Höhenlage. Natürlich unterscheiden sie sich von anderen kultivierten Orchideen dadurch, dass ihre Blüten meist kleiner, aber auffälliger, aufwändiger und sogar üppiger sind. Andere Blütenpflanzen können in dieser Disziplin nicht annähernd mithalten. 

Einige Arten wilder Orchideen aus Spanien

Ihnen hier eine vollständige Liste der wilden Orchideen aus Spanien zu liefern wäre etwas langweilig. Dutzende von wissenschaftlichen Namen und viele manchmal nur regional gebräuchlichen Namen würden verwirren. Wenn Sie hier tiefer einsteigen, empfehlen wir Ihnen die Anschaffung von Bestimmungsliteratur oder einer Handy-App.

Deshalb werden wir im Folgenden über einige der Arten sprechen, die Sie im Land relativ leicht finden können.

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Ohnhorn 

 

Die Puppenorchis oder Ohnhorn (Aceras anthropophorum, Orchis a.)

Bekannt als die Blume des „Gehängten Mannes“, weil die Blüten den Eindruck eines hängenden Menschleins machen. Es ist eine kleine, farblich unscheinbare, dabei sehr schlanke Orchidee. Die Blüten sind immer gelblich und sie gedeiht auf Grasfluren, Macchien, in lichten Wäldern vor allem auf Kalk. Sie wird von Käfern besucht, da sie wegen ihrer kurzen Mundwerkzeuge hier gut an den Nektar kommen können.

Habitat: Trockenrasen, Waldlichtungen, offenes sonniges Buschwerk auf eher basischen Böden

Blühzeit: (in der Extremadura) ist von April - Mai/Juni

 

Der Spiegelragwurz (Ophrys speculum)

Ragwurze sind sehr formenreich und haben etwa 50 Arten. Unter der Erde haben sie zwei kugelige bis eiformige Knollen als Überdauerungsorgane. Die Lippen sind zumeist sehr vielgestaltig und insektenähnlich. Sie täuschen und tricksen, um mit bestimmten Mechanismus Pollenpakete durch Insekten zu übertragen. 

Der Spiegelragwurz ist bekannt als der „Spiegel der Venus“. 

Und warum ist es so wichtig? Nun, denn wenn sie sich öffnet, ist der untere Teil der Blüte voller Flaumhärchen und in der Mitte scheint sie einen Spiegel zu haben, welcher sich im Zentrum der Blüte verjüngt. So werden Dolchwespenweibchen imitiert, Männchen mit Duft und Optik angelockt. Während des vermeintlichen Begattungsaktes werden dann die Pollen aufgeklebt. 

Der Siegelragwurz ist eine Orchideen- Art, welche auf der Roten Liste der gefährdeten Pflanzen Spaniens aufgeführt ist.

Habitat: Weiden und Kulturland mit basischen Böden

Blütezeit: Die Blüte, die zwischen den Monaten Februar und Juni erblüht, ist sehr auffällig.

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Spiegelragwurz  

 

Das Hügel-Knabenkraut (Anacamptis collina, Orchis ?)

Diese Orchidee werden Sie in speziell in Spanien finden: Insbesondere in der Region Alicante oder auf den Balearen. 

Die auffälligsten Kennzeichen des Hügelknabenkrauts sind ohne Zweifel die Stängel und die lila Blüten. An einem Stängel sind normalerweise zwischen zwei und vier breite Blätter, was bei den übrigen bekannten Arten nicht vorkommt. 

Habitat: Grasfluren in Küstennähe, klettert auf Kalkböden aber auch bis 2200 Meter.

Blühzeit: Der Blühzeitpunkt ist zwischen Januar und April und damit recht früh. 

 

Die „Blasse Orchidee“ (Dactylorhiza insularis)

Das ist vielleicht eine Orchidee, die Sie gerne pflegen würden. Dann aber bestimmt keinen Spaß daran hätten. Einerseits wird sie „Blasse Orchidee“ genannt, weil ihre Blüten sehr klein und zartgelb sind. Gerade bei Befeuchtung leuchten sie wunderhübsch. Die Blasse Orchidee, ein Knabenkraut, ist ganz besonders der Lage Insekten anzulocken. Das Ergebnis wäre ein Garten voller hübscher, aber auch unter Umständen lästiger Tierchen. 

Habitat: Sie liebt lichte Kiefern- und Kastanienwälder bis 1500 Meter und mäßig trockene und saure Böden.

Blühzeit: Die Blüten zeigt sie im Mai bis Juni. 

Das Großes Zweiblatt (Listera ovata)

Haben Sie jemals eine Orchidee gesehen, die mehr als 60 Blüten hervorbringen kann? Nun ja, das Große Zweiblatt ist eine.

Sie ist sonst recht unauffällig gelbgrün blühend mit nur zumeist zwei fast gegenständigen Laubblättern. 

Diese Orchidee „verpasst“ ihrem Insektenbesucher ein Pollenpaket, welches mit einem Tropfen zähem Schleim aufgeklebt wird. Eine ausgefeilte „rein pflanzliche“ Mechanik! Besonders Schlupfwespen und Käfer fühlen sich von dem speziellen Duft der Blüten angesprochen.

Blütezeit: zwischen April und August.

 

Der Bienenragwurz (Ophrys apifera)

Diese Orchidee, auch Bienenorchidee genannt, ist eine der ganz besonderen.

Hummelragwurz in Deutschland 
Sie zieht mit ihrer Blüte Bienen an und imitiert sie. Allerdings ist bei ihr die Fremdbestäubung wohl nicht so von entscheidender Rolle. In der Regel kommt es zur Selbstbestäubung. Sie gedeiht auf alkalischen Trockenrasen und Magerrasen, dabei mag sie zu trockene Orte nicht. 

Die Farben dieser Art sind normalerweise violett oder weiß. Und weil sie so hübsch ist, hat sie auch viele Freunde gefunden!

Habitat: Übergangsränder und Lichtungen, Kultur- und Weideumgebungen auf basischen Substraten

Blühzeit: Ende April - Juni

 

Der Braune Ragwurz (Ophrys fusca)

Der „Ruf der dunklen Biene“: Sie lockt durch Mimikry die Männchen der Gelbfüßigen Sandbiene an. Es ist eine wilde Orchidee aus Spanien, die sich durch eine sehr intensive grüne Farbe auszeichnet. Was unterscheidet sie von anderen? Nun, ihre Blüte ähnelt exakt dem Bauch einer ganz bestimmten Biene.

Man findet sie von März bis Mai in lichten Wäldern, Macchien und Magerrasen und gerne auf Kalk bis zu einer Höhe von 1400 Meter.  

Habitat: Weiden, Wiesen und zwischen Sträucher auf basischen Substraten

Blühzeit: Ende Februar bis April

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Wespenragwurz 

 

Der Wespen-Ragwurz (Ophrys tenthredinifera)

Wenn wir zuvor über den dunklen „Bienenbetrüger“ gesprochen haben, müssen wir es jetzt über den rosa Täuscher tun. Im Gegensatz zum vorherigen ist das Auffälligste die rosa Farbe und die Wespenform, die die Blüte annimmt. 

Sie hat außerdem behaarte braune Blütenblätter (das Labellum) von einer dreieckigen Form.

Habitat: Bevorzugte Ort wo man sie findet sind Magerrasen, Macchien und lichte Kiefernwälder gerade auf basischen Böden

Blühzeit: Sie blüht zwischen März und Mai. 

 

Der Pyramiden-Hundswurz (Anacamptis pyramidalis)

Mit mehr als 40 Blüten in knapp 30 Zentimetern Höhe ist dies eine weitere spanische Wildorchidee, die viel Aufmerksamkeit auf sich zieht.

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Pyramiden - Hundswurz in den östlichen Pyrenäen 

Zu ihren einzigartigen Merkmalen gehören das intensive Parfüm, das sie verströmen kann. Und der spezielle Blütenstand, d.h. die Blüten werden an den Zweigen oder an den Enden des Stängels gebildet. Die Blütezeit ist Mai bis Juli. Bestäuber sind Tag- und Nachtaktive Schmetterlinge. 

Habitat: Der Pyramiden-Hundswurz ist eine Lichtpflanze, ein Wärme- und Trockenzeiger, gedeiht gerne auf humosen und kalkreichen Böden und klettert in Spanien bis 2000 Meter. 

Blütezeit von May - Juni/Juli

 

Der Violette Dingel (Limodorum abortivum)

Diese Orchidee ist eine der auffälligsten Orchideen in Spanien: Erstens, weil sie keine Grundblätter (Laubblätter) hat und zweitens, weil sie die Orchidee mit den größten violetten Blüten in Europa ist. 

Habitat: Sie liebt sommer- und immergrüne Wälder, Gebüsche, Rasen und bis in die Bergstufe und vorwiegend auf Kalk. Die Höhe ist auffällig und mit bis 80 cm für Orchideen beachtlich. 

Blütezeit: April bis Juli

Wie Sie sehen können, gibt es in Spanien viele und spannende wilde Orchideen. Viele von ihnen sind geschützt, weil sie vom Aussterben bedroht sind. Andere sind sehr schwer zu sehen und zu finden. Aber Viele sind noch schöner als die, die Sie in Geschäften kaufen können oder in Tropenhäusern bewundern dürfen.

Welche Orchideen sehen wir regelmäßig auf unseren Naturreisen? 

Wir finden im Frühling häufig folgende Orchideen auf unseren Naturreisen:

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Zungenstendel  

 

  • Kleines Knabenkraut (Extremadura)
  • Italienisches Knabenkraut (Extremadura)
  • Fuchsknabenkraut (Östliche Pyrenäen)
  • Hollunder-Knabenkraut (Asturien)
  • Pyramiden-Hundswurz (Östliche Pyrenäen)
  • Wespenragwurz (Extremadura)
  • Gelber Ragwurz (Extremadura)
  • Schnepfenragwurz (Extremadura)
  • Echter Zungenstendel (Extremadura)

 

Wir sind auf unseren Naturreisen gemütlich unterwegs und veranstalten keine botanischen Reisen oder Artenrennen. So haben wir hier nur die häufigen Arten aufgezählt. 

Der Autor

Stephan Martens

Die Natur ist meine Leidenschaft. Und mein Traumberuf seit rund 20 Jahren Reiseleiter: Genauer gesagt bin ich Naturreiseleiter und leite auch Ornithologische Touren. Ökologische Zusammenhänge und die anthropogenen Auswirkungen finde ich spannend. Mit Gästen Naturbegeisterung teilen, das gefällt mir.

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