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Stierkampf und Landschaftsschutz in Spanien

„Tradition und Ökologie vs. Tierschutz und Ethik“
22. Mai 2026

Europa

Spanien

Stierkampf und Landschaftsschutz in Spanien

„Tradition und Ökologie vs. Tierschutz und Ethik“

Die Diskussion um Stierkampf in Spanien ist genauso emotional behaftet wie das Thema Wölfe in Europa.

Deshalb vorab: Ich bin Naturschützer, Ökologe und liebe jedes Tier, jedes Individuum. Außer Fliegen und Mücken trage ich jedes in „meinen Lebensraum“ eingedrungenes Tier von Hand aus der Wohnung oder aus dem Wohnwagen.

Eingang zur Arena: Sonnenplätze sind billiger! 

Ein Tierschützer im modernen Sinne bin ich aber nicht. Die Tierschützer handeln meistens rein emotional nach dem „Grosse Augen Prinzip“ und haben dabei insbesondere Hunde, Katzen und Pferde im Sinn. 

 

Der Stierkampf, die Corrida, ist in Spanien umstritten. Tierschützer betrachten die Corrida in der heutigen Form mit Recht als Tierquälerei. Sie fordern ein Verbot und das hat bisher dazu geführt, dass in einzelnen autonomen Regionen der Stierkampf eingestellt oder eingeschränkt worden ist. Dazu zählen Katalonien und die Balearen.

Dennoch findet die Tradition weiter statt. Trotz rückläufiger Zuschauer und einer zunehmenden Polarisierung.

Die politischen Rechten verteidigen den Stierkampf als Kulturgut. Linke und ökologische Gruppen lehnen ihn zunehmend ab.

Die (Auf-) Zucht von Kampfstieren ist eng mit dem Erhalt des einzigartigen Ökosystems der Dehesa verbunden. Dazu später mehr. 

Tierschützer argumentieren, dass Artenschutz nicht mit Tierleid gerechtfertigt werden kann.

Dehesa bei Hervas 

Sie fordern alternative Nutzungen für die aus Stein- und Korkeichen bestehenden lichten Wälder in der autonomen Region Extremadura.

 

Die Rolle der Dehesa:

 

In weiten Bereichen ist die Dehesa eine jahrhundertealte extensive Wald-Bewirtschaftungform in der Extremadura. Abhängig von den Tieren, die sie beweiden. 

Dazu zählen die Kampfstiere (Toro Bravo), Rinder, die Iberischen Schweine und Schafe.

Durch diese extensive Bewirtschaftung kommt es zu einer extremen Biodiversität.

Die Dehesa in der Extremadura ist die wirbeltierreichste Region in Europa. Ohne diese Weidetiere würde diese Landschaft unrentabel werden und verfallen.

An vielen Stellen sieht man bereits, dass intensive Olivenplantagen mit Bewässerung aus dem Boden sprießen. Wenn das weiter Schule macht, wird das in einer wassertechnischen und ökologischen Katastrophe enden.

Blauelster, typischer Dehesabewohner 

 

Der Toro Bravo ist eine alte, recht kleine Rasse, die mit dem Auerochsen noch viel gemein hat. 

Sie verbringen in der Regel ihr ganzes Leben, jeweils das ganze Jahr, auch im Winter, in der Dehesa unter den Eichen und auf den Grasflächen. Die Haltung kann man als naturnah bezeichnen. Die Weideflächen sind so groß, dass man die Tiere in der Landschaft manchmal kaum wiederfindet. Bis zu ihrem Einsatz im Stierkampf vergehen meist 4-6 Jahre. Zuchtbullen und Kühe leben ebenfalls dort und können sich wie in Freiheit bewegen.

Nach dem Stierkampf werden die getöteten Tiere und ihr Fleisch als Nahrung verwendet. Das Fleisch der Stiere der Rasse „Lidia“ gilt als sehr hochwertig und wird in Iberien oft in Restaurants angeboten oder auf dem Markt verkauft. Es gilt als besonders schmackhaft und mager, weil die Tiere ein aktives, natürliches Leben in der Dehesa geführt haben.

 

Alternativen zum blutigen Stierkampf:

 

In Portugal gibt es den sogenannten „Unblutigen Stierkampf“. Der Stier wird nicht getötet, sondern nach dem Kampf wieder zurück in seinen Stall gebracht.

Eine Gruppe von Männern versucht den Stier mit den Händen zu stoppen, ohne ihn zu verletzen. Das gelingt nicht immer und sieht auch oft nach Quälerei aus.

In anderen Regionen Iberiens, zum Beispiel in Pamplona, gibt es Stierläufe ohne Tötung.

Das heimliche Wappentier Spaniens 

Sie werden dazu durch die Straßen einer Stadt getrieben, was auch nicht ohne Verletzungen und Risiken für Tier und Mensch verbunden ist.

Es gibt weiterhin Überlegungen zu einer kulturellen Umdeutung. Die Tradition des Stierkampfes soll rein symbolisch und künstlerisch dargestellt werden.

In Verbindung mit Theater und Tanz. Inwieweit die Tiere dann direkt noch involviert werden und gebraucht werden, ist fraglich.

Nach dem „Unblutigen Stierkampf“ oder den Stierläufen ist den Tieren aber dasselbe Schicksal vorbestimmt, wie den Stieren, die öffentlich in der Arena sterben. 

 

Meine eigene Meinung:

 

Eine Diskussion sollte eher in Spanien intern stattfinden. Mit dem erhobenen Zeigefinger als Mitteleuropäer zu belehren, halte ich für nicht angemessen.

Bei jedem konventionell erzeugten Schnitzel oder Hähnchenbrust auf dem Teller sollte der Tierschützer daran denken, dass gerade diese Tiere überhaupt kein schönes Leben hatten.

Die politische Entwicklung und die öffentlichen Strömungen werden in Spanien dazu führen, dass der Stierkampf weniger quälerisch und blutig werden wird.

Das sind aber Prozesse, die sicherlich noch viele Jahre brauchen.

Gleichzeitig werden hoffentlich alternative Nutzungs- und Beweidungsformen für die Stein- und Korkeichenwälder überlegt und gefunden.

Die in der Dehesa ebenfalls frei umherlaufenden Iberischen Schweine oder auch Schafe landen, unter dem Strich, natürlich auch auf dem Teller.

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Weidewirtschaft erhält den Naturraum der Dehesa 

 

Ich rate jedem Reisefreund, jedem Tierfreund und Naturschützer, sich vor Ort, in der Extremadura, ein Bild von der wertvollen Landschaft zu machen und vielleicht auch sich mit der Tradition des sicher brutalen Stierkampfes ein wenig zu befassen. So kommen wir dann in der Diskussion auf eine sachlichere Ebene. 

Der Autor

Stephan Martens

Die Natur ist meine Leidenschaft. Und mein Traumberuf seit über 20 Jahren Reiseleiter: Genauer gesagt bin ich Naturreiseleiter und leite auch Ornithologische Touren. Ökologische Zusammenhänge und die anthropogenen Auswirkungen finde ich spannend. Mit Gästen Naturbegeisterung teilen, das gefällt mir.

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Als Naturreiseleiter halte ich mich oft in Spanien auf und setze mich intensiv mit der Thematik Wolf und Mensch sowie Stierkampf und Gesellschaft auseinander. Auch das Thema Bär und Mensch ist in Spanien sehr aktuell und heiß diskutiert. Es ist an der Zeit, eine sachlicher Sicht der Dinge an den Tag zu legen und emotionsärmer zu entscheiden.

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