Reisetipps / Costa Rica

Der Caño Negro: Artenvielfalt im Morast

"Costa Ricas beeindruckendes Schwemmland"
30. November 2020

Mittelamerika

Costa Rica

Artenvielfalt im Morast: der Caño Negro

Uns erreichte 2018 eine Einladung in den Caño Negro. Bis dato war uns das Gebiet schon bekannt. Denn es ist ja kein Geheimtipp, dass vom touristischen La Fortuna (am Vulkan Arenal) Tagesausflüge in das Sumpfgebiet Cano Negro gemacht werden. Was für ein Blödsinn, bei der langen Anreise. Vor 25 Jahren hatten wir dem Gebiet auch mal einen Kurzbesuch abgestattet und dann lange „links liegen lassen“.

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Hotel Campo de Caño Negro 

Der Betreiber der Lodge Campo de Caño Negro hatte uns angesprochen. Er hatte erfahren, dass wir ornithologische Reisen im Land leiten und wollte uns "sein" Schutzgebiet gerne zeigen. Da wir auch regelmäßig zwischen unseren Reisen neue Regionen erkunden, um im Land immer am Ball zu bleiben, folgten wir dieser Einladung sehr gerne. 

Wir forschten nach und studierten das Gebiet und das Gelände mit unserm Kartenmaterial und beschlossen: „Das Schwemmland ist einen Besuch wert“. Wir sollten nicht enttäuscht werden. Inzwischen haben wir das Gebiet mit mehreren ornithologischen Gruppen besucht.

Caño Negro, der schwarze Kanal

Viele Hektar Tieflandregenwald durchzogen vom Rio Frio, verschiedenen Lagunen und Seen, auf maximal 100 müM, das ist der Caño Negro. Ein Schwemmland, dass vielen Zugvögeln ein sicheres Habitat bietet und wegen seiner Abgeschiedenheit Wildlife Paradies wurde.

Administration des Schutzgebiets ist die Costa-ricanische Regierung (SINAC). 

Am eigentlichen Lago de Caño Negro gibt es eine Ranger-Station, die einen Betrag von 10 Dollar von den Besuchern kassieren sollte, da ist aber nie ein Mitarbeiter oder eine Kasse dort. 

Das Hotel Campo de Caño Negro 

Vom Hotel Campo de Caño Negro waren wir so begeistert, dass wir diesen Ort fest in unsere Rundreisen eingebaut haben. Es gibt ohnehin nicht die riesengroße Auswahl an Hotels im Caño Negro, aber die familiengeführte Lodge mit ihren wenigen praktischen freistehenden Häuschen, dem liebevoll angelegten botanischen Garten, dem netten Hotelpool unter sattem Grün und dem leckeren italienischen Essen wäre ohnehin unsere erste Wahl gewesen. Eine weitere Naturlodge gibt es noch unweit „unseres“ Hotels Campo de Caño Negro, aber dieses Hotel verfügt über fast 50 Zimmer und fällt so durch unser Raster „naturnah, klein  und familiengeführt“ durch.

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Strelitzie  

Auf dem Gelände der Lodge gibt es kleine Futterstellen im Garten, um die verschiedenen z.B. Tangarenarten anzufüttern. 

Auch kleine Trails, Senderos genannt, in den Wald gibt es und eine Stelle, an der man besonders gut Frösche beobachten kann. Nachts besucht der Ziegenmelker das Gelände regelmäßig. 

Einen wunderschönen offenen Zugang zur Lagune hat es auch und Kajaks können geliehen werde.

Vom Hotel aus kann man auch, immerhin Richtung Dorf, ein bisschen „wandern“.

Wandermöglichkeiten sind in mancher Zeit im Caño Negro etwas schwierig, da es sich um ein Schwemmland handelt. Aber wenn man die wenig befahrenen Schotterstraßen auch nutzt, kommt man schon rum. 

Aktivitäten im Sumpfgebiet

Sicher gehören „Dorfbesichtigung und Nachtleben“ nicht zu den besonderen Sensationen der Region. Hier dreht sich alles um die Natur!

Das Highlight der Region im Caño Negro sind die Bootstouren und hier kommt man mit dem „knipsen“ und beobachten nicht hinterher!

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Krokodilkaiman 

 

  • Die Standard-Bootstour mit den ornithologischen Guides der Lodge beginnen um 5 Uhr morgens. Mit viel Glück und dem richtigen Wasserstand ist auch der seltene Speerreiher (Agami-Heron) vor Ort.
    Rotbrustfischer, Amazonasfischer, Grünfischer und der sonst sehr seltene Erzfischer sind hier gut vertreten.
    Reiher, Ibisse, Nimmersatt-Störche, sogar den Jabiru kann man auf der Bootstour bestaunen. Fischbussard, Cayenne-Milan, Schneckenweih und Fledermausfalke leben auch am Rio Frio.
    Nach circa 1,5 Stunden können sie aussteigen auf einen Steg, extra angelegt für die Lodge und sich die Füße etwas vertreten. Halten Sie Ausschau auch nach Faultieren und Fischertukanen. Es ist wirklich eindrücklich, was das Schwemmland an Aktivität der Tierwelt zu bieten hat. Nach der Ankunft an der Lodge gibt es dann das typische Frühstück. 
  • Weitere Bootstouren bietet die Lodge auch am Mittag an.
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    Rotbrustfischer 
  • Den Ausflug zum Medio Queso, einem weiteren Schwemmgebiet, empfehlen wir Birdwatchern, die es auf besondere Arten wie die Amerikanische Rohrdommel abgesehen haben.
  • Eine Nachttour zur Beobachtung von Fröschen, Spinnen und nachtaktiven Lebewesen wird ebenfalls angeboten. 
  • Wir empfehlen Ihnen hier auch unbedingt noch eine Safari mit dem Mietwagen auf den umliegenden sehr wenig befahren Straßen zu unternehmen. Brüllaffen, Wüstenbussard und Gelbwangenamazonen konnten wir so additional zu unserer Artenliste hinzufügen und in Ruhe beobachten. 
  • Mit dem Fernglas oder der Kamera lohnt sich auch immer noch ein Ausflug hinter das Dorf an den Steg, wo sich die o a nicht besetzte Ranger Station befindet.
    Tipp: Lassen Sie den Wagen im Dorf stehen und laufen Sie die Straße vom Parkplatz des Bootsanlegers Richtung Nord hinaus, dann „umkurven sie ohne Ball“ den Sportplatz und halten sich auf einer weiteren Schotterpiste links. Hier findet man so noch mal eben Arten wie den Olivrücken-Zwergspecht, die Schwarzschnabel-Tityra oder den Aztekensittich. Nach einigen hundert Metern gelangen sie an den Steg und das Ranger-Gebäude. Mit guten Aussichtsmöglichkeiten und Regendach(!).
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    Aztekensittiche  
Ist der Caño Negro nur etwas für Vogelliebhaber?

Das würde ich mich nun fragen, wenn ich das hier alles über die Birds lese und wir geben zu, dass die Region ein Muss für Vogelbeobachter sein sollte. 

Aber auch gemütliche Naturbeobachter und Naturfreunde können es sich hier gut gehen lassen. 

Eine abgeschiedene Region mit viel Ruhe und mitten in der Natur, wirklich fernab vom Massentourismus. Wer auch mal einfach gemütlich am Pool ein Buch lesen möchte oder die tropischen Pflanzen im Garten bestaunen

Exkurs: Lage, Klima & Reisezeit, Vegetation

Lage: Der Caño Negro liegt im Norden von Costa Rica 32 km entfernt von der Grenze zu Nicaragua und 30 Minuten entfernt von der Stadt Los Chiles und in der Provinz Alajuela. Vom Internationalen Flughafen Juan Santa Maria liegt das Caño Negro Schutzgebiet 200 km nördlich (ca. 3,5 h).

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Dreifingerfaultier 

Anreise & Empfohlene Route:

Ruta 126 & 35: Vom Flughafen fahren Sie Richtung San Ramon in Richtung Ciudad Quesada (ruhige Bergstraße aus der Stadt) auf die Ruta 35, eine neue „Schnellstraße“ bis fast nach Los Chiles. Ca. 15 Kilometer vor der Stadt geht links (westlich) ein holpriger, aber gut befahrbarer Weg noch ca. 30 Minuten geradeaus bis in den Caño Negro, oder besser nach Caño Negro. 

Tipp: Nutzen Sie die Anfahrt unbedingt schon als Vogel- & Tiersafari; dann brauchen sie von Los Chiles bis Caño Negro mehrere Stunden. 

Klima und beste Reisezeit: 

Das Gebiet liegt noch so gerade im Einfluss der Karibik oder besser ist Teil der Karibischen Tiefebene. Gerät aber auch so ein wenig schon in den Einfluss des trockenen Guanacastes im Nordwesten des Landes. Somit: Es herrscht Regenwaldklimat, Tropischer Tieflandregenwald. Mehr oder weniger Tags um die 30 Grad je nach Sonnenstunden und des Nachts dann um die 20 Grad. Mit einer fast gesättigten Luftfeuchte. Die Niederschläge gehen im Dezember zurück und die Kurve geht dann im Mai wieder hinauf. Das soll nicht bedeuten, es regnet in dieser Zeit nicht. Somit ergibt sich ein für Bootsfahrten und somit Beobachtungen ein optimaler Wasserstand so i. d. R. im Dezember/Januar bis Februar/März. Im April kann es schon mal sein, dass manche Teiche nicht befahrbar sind und trockenfallen. Die übrige Zeit des Jahres ist ebenfalls gut geeignet, Monaten mit regelmäßigen absoluten Spitzen gibt es eher nicht. Aber es ist eben sehr variabel und dynamisch. So ein wenig, wenn auch nicht in der Größe, zu vergleichen mit dem Pantanal.

Vegetation

Reste von Tieflandregenwald, zum Teil Primärwald, wechseln sich mit Weideland und auf trockeneren Böden mit Plantagenland ab. Sehr extensive Bewirtschaftungsformen dominierten bisher, leider machen sich auch hier Ananasplantagen breit. Durch die wechselnden Wasserstände in den tieferen Bereichen bleibt dort nur Weidewirtschaft mit Rindern (Zebu-Kreuzungen). Durchzogen wird diese Weide-Wald-Seenlandschaft noch von zum Teil und zumindest mit kleinen Booten schiffbaren Flüssen. Frei in der Landschaft sieht man öfter gigantische Kapokbäume, „lebende Zäune“, also Hecken trennen die großen Weiden.  

Kurz und knackig: Tipps für den Aufenthalt
  • Die Station Caño Negro kann man gut einbauen zwischen der Station Boca Tapada und Vulkan Arenal oder Orosital und Vulkan Arenal
  • Die beste Reisezeit ist Januar bis Mai (Begründung siehe Exkurs weiter unten)
  • Obwohl Sie im Sumpfgebiet sind, ist es mit den Mücken nicht wie im September in der Camargue. Oder im Sommer in Lappland. Ein Mückenmittel dann auftragen, wenn die Blutsbrüder anrücken, das reicht aus. Eine prophylaktische Auftragung mit dem schädlichen DEET tut nicht Not. 
  • Regensachen immer mit einpacken. Sie befinden sich in einem tropischen Regenwaldklimat. Eine einfache Mülltüte ist immer gut, um im Notfall die Technik zu retten.
  • Tanken können Sie nur Los Chiles (30 km entfernt). Große Supermärkte gibt es ebenfalls nur dort. Das Dorf hat aber einen sog. Minisuper. Der Tico sagt dazu eher: „Chino“. Man geht zum „Chino“. Klar, oder?
Kontroverse Individuendichte in den Gewässern? 

Sie ist beachtlich, die Anzahl der Eisvögel, der tausende Kaimane, Reiher und vielen Greifvögeln. An keinem anderen Ort in Mittelamerika haben wir bis jetzt so eine Dichte an Fischfressern und Beutegreifern gesehen. Wir haben eine Vermutung: Um das Schutzgebiet herum liegen viele Agrarflächen, vor allem Ananasplantagen.

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Schmuckreiher 

Die Dichte der Kaimane, in den Flussarmen und Schwemmlagunen des Rio Frio, ist wirklich beachtlich. Sie ist sogar so hoch, dass man hier und da auch Kaimane ohne Schwanz oder mit beschädigtem Schwanz beobachten kann. Das bedeutet offensichtlich, die Kaimane kommen in so großer Anzahl vor, dass sich die Reptilien Stress haben gegenseitig die Schwänze verletzen? Sicher, irgendwo kann eine Schiffschraube auch mal der Grund sein.  

Für uns ist das ein Zeichen, das der Nährstoffeintrag des Rio Frio sehr hoch ist und somit eine Überdüngung des Gewässers verursacht wird, der wiederum eine unnatürliche Artendichte an Vögeln, Reptilien und Fischen bewirkt. Wie damals auf unserem Rhein. Wo sich ja heute die Fischer beklagen, man möchte doch die gut funktionierenden Kläranlagen wieder etwas öffnen. 

Bitte beachten Sie: wir haben dazu keine wissenschaftlichen Daten, das sind Überlegungen. Die Naturguides von vor Ort teilen diese Auffassung mit uns. 

Die Autorin

Sabrina Martens

Seit meiner Kindheit leitet mich die Freude und das Interesse an der Natur. Mein Entdeckergeist führte mich in verschiedene Länder. Dort entwickelte sich aus dem naturkundlichen Interesse und der Leidenschaft für Vogelbeobachtung die berufliche Reiseleitung & Reiseausarbeitung für Naturfreunde. 

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