Reisetipps / Costa Rica

Hochgebirge in Costa Rica

„Die Natur der Tropen oberhalb von 2000 Meter“
30. Mai 2026

Mittelamerika

Costa Rica

Hochgebirge in Costa Rica

 

Das kleine Natur-Wunderland Costa Rica auf 8° Nord vom Äquator bietet sogar ein Hochgebirge, welches an den 4000 m kratzt. Nicht zuletzt auch wegen dieser Höhenunterschiede auf einer Landesfläche von etwa der Größe Niedersachsens oder der Schweiz kommt es zu einer extremen Biodiversität. Wer als Ornithologe und Naturfreund oder Botaniker den Fehler macht, nur die tieferen Höhenlagen zu besuchen, verpasst einiges an Möglichkeiten.

https://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/quetzal-mchelmut-guth-2.jpgHelmut GuthHelmut Guth
Quetzal im Flug  
Denn zu vielen Arten, Vögel oder andere Wirbeltiere aus den tieferen Lagen, gibt es Pendants in den Höhenlagen. Dasselbe gilt für die Botanik.

 

Seit fast drei Jahrzehnten arbeite ich als Reiseleiter im Land und möchte deshalb die besten Möglichkeiten zur Erkundung der Hochgebirgsregionen oberhalb von 2000 m aufzählen.

Dabei gilt mein Augenmerk den Orten, an denen auch adäquate Unterkunftsmöglichkeiten und Straßenverhältnisse anzutreffen sind. Die Region Monteverde (kein Hochgebirge) sowie die inselartig kleinen Gebiete der Vulkane nördlich des Zentraltales, wie Poas oder Irazu, lasse ich außen vor.

 

1. Das Tal von San Gerardo de Dota (Rio Savegre Tal)

 

Das Tal des Rio Savegre ist berühmt für seinen Quetzal-Tourismus. Viele Reisegäste, auch solche, die sich nicht als Ornithologen bezeichnen, möchten diesen Göttervogel einmal sehen. Die frühmorgendlichen Touren sind aber sicherlich kein Individualerlebnis mehr, zuweilen knubbeln sich mehr als 100 Naturbegeisterte an den markanten Stellen, wo der Vogel wahrscheinlich auftaucht.

 

Suria Lodge: Eine angenehme Unterkunft (20 Zimmer) auf etwa 2000 m mit einem schönen Garten, wo man schon Colibris beobachten kann. Eigene Wanderwege hat es nicht. Sie liegt ganz am Ende des Tales, bevor die Straße schlechter wird und noch hinter dem Einstieg zum Wasserfall Trail.

Suenos del Bosque: Die nächste Unterkunft talaufwärts. Sie liegt etwa auf 2100 m, verfügt ebenfalls über einen schönen Garten mit Teich und hauseigenen Wanderwegen von circa 5 km Länge. Die eigenen Wanderwege sind immer eine sehr gute Wahl für die individuelle ruhige Vogel und Naturbeobachtung. Die Zimmer (ca. 30 Stück in kleinen Häuschen) sind recht komfortabel. Das Restaurant ist gut. Das Internet horrormäßig schlecht.

Das Gema del Bosque Hotel 

Rio Savegre Lodge: sie legt direkt neben an, also auf selber Meereshöhe. Etwas weiter die Straße das Tal hinauf. Es gibt rund 50 Zimmer in Einzel stehenden Häuschen. Recht komfortabel und in einem großen grünen Garten gelegen. Colibri Feder und Fruchtfresserfütterung. Mit eigenen Wanderwegen, rund 15 km, bis in Höhenlagen von über 3000 Meter. Das große Restaurant ist passabel, die ganze Anlage vielleicht etwas überprofessionell amerikanisiert.

Trogon Lodge: diese Herberge liegt 4 km weiter, schon wieder auf 2400 m, also das Tal hinauf. Sie verfügt über circa 30 Einzel stehende Häuschen in einem schönen Garten. Colibris werden hier auch angegefüttert. Ein Netz von 10 km hauseigenen Wanderwegen führen bis in größere Höhenlagen hinauf. Denken Sie daran, bei Schwierigkeiten mit der Höhe, dass man auf 2400 m etwas schlechter schläft als auf 2000 m.

Gema del Bosque: noch etwas höher an einer Seitenstraße gelegen, etwa auf 2600 m liegt diese neue Herberge. Zehn Einzelstehende Häuschen mit wunderbarer Aussicht auf einem naturbelassenen Gelände mit Lichtungen und Wald. Schöner Garten mit Vogelfütterung, gutes Restaurant. Eigene kurze Wanderwege. Ihr hat man den Quetzal fast für sich alleine.

Weitere Highlights sind: Bluttangare und Tropfenwachtel.

 

Alle oben angeführten Unterkünfte verfügen über genügend Decken und auch sehr einfache Heizsysteme. Denn in den Nächten kann es durchaus mal bis fast auf den Gefrierpunkt zurückgehen. Zumeist macht das Thermometer aber bei 8-10° halt. Ebenso bieten alle Unterkünfte lokale Führungen mit geschultem englischsprechenden Personal an.

 

Weitere Attraktionen im Tal für Vogelbeobachter und Naturfreunde im Savegre Tal

 

Der Wasserfall-Trail: zwischen der Suria Lodge und der Suenos Del Bosque Lodge startet von der Hauptstraße aus ein öffentlicher Wanderweg. Es sind rund 5 km hin und 5 km zurück, immer am Rio Savegre entlang (Amerikanische Wasseramsel, Sturzbachkleintyrann, Halsband-Waldsänger). Im hinteren Teil wird der Weg recht rustikal.

Eichelspecht  

Batsu-Garden: in der Nähe der Rio Save Lodge gibt es diese private Einrichtung. Sicherlich einer der schönsten Orte, um Vögel (Veilchenohrkolibri, Langschwanzseidenschnäpper, Hoffmannsittich) zu fotografieren, gegen Bezahlung. Es wird mit Früchten gefüttert und Colibrifeeder locken die „Fliegenden Edelsteine“.

Miriams Cafe und Soda: schon wieder etwas das Tal hinauf, etwa auf 2400 m gibt’s eine hervorragende Möglichkeit, die Hochlandarten (Laucharassari, Andenbartvogel, Silberkehltangare, Eichelspecht) sehr nah vor die Kamera zu bekommen. Hier wird ebenfalls angefüttert, der Eintritt ist kostenlos, wenn man etwas verzehrt. 

Allgemeiner Tipp: Nutzen Sie die relativ wenig befahrene „Haupt“-Straße zum Birdwatchen. Gerade im hinteren unteren Teil, in der Nähe der Rio Savegre Lodge und bis zur Suria Lodge fahren kaum Autos. Achten sie aber Privatgrundstücke, das Tal ist schon touristisch.

2. Das Tal von San Gerardo de Rivas bei San Isidro del General (Perez Zeledon)

 

Hotel de Montana El Pelicano: was der Pelikan hier oben mit den Bergen zu suchen hat, bleibt mir ein Rätsel. Aber es ist eine sehr schöne, einfache Unterkunft mit nettem Restaurant. Der Garten und kleiner Haustrail bieten schon Möglichkeiten zur Beobachtung, und es wird auch mit Früchten angefüttert. Das Hotel liegt noch nicht oberhalb von 2000 m, so vermischen sich hier Hochlandspezialisten mit Tieflandarten.

Talamanca Nature Reserve und Hotel: ein 30 Zimmer-Hotel mit einem eigenen Schutzgebiet und sehr umfangreichen Wanderwegen. Mehr als 20 km Länge. Dabei gelangt man in Höhenlagen von über 2000 m. Das Hotel ist komfortabel bis luxuriös, das Restaurant gut. Colibri- und Fruchtfresserfütterung findet statt. Auch dieses Hotel liegt noch unterhalb von 2000 m. Und so treffen Sie hier auch Tieflandarten an und ebenso stellen sich hier Klammeraffen, Weißschulter-Kapuziner, Nasenbären oder Pekaris ein.

https://die-naturreise.de/sites/default/files/pictures/lib1/tukan-laucharassari-gebert-schaefer.jpegClaudia G. & Jürgen S. Claudia G. & Jürgen S.
Laucharassari 

 

Die Straße und das Tal immer weiter hinauf bietet dann Schutzgebiete und Beobachtungsmöglichkeiten. Weiter gibt es von hier die Option, den höchsten Berg Costa Ricas, den Mount Chirripo, in einer mehrtägigen Wandertour zu besteigen. Das hat aber natürlich eher sportlichen Charakter und ist nicht unbedingt für Vogelbeobachter oder Fotografen geeignet. Die Hotels bieten lokale Guides zur Naturbeobachtung oder als Wanderführer.

 

Cloudbridge Nature Reserve: das Reservat ist nicht überlaufen, die Trails sind gut präpariert, manchmal rustikal und alpin, und bieten Möglichkeiten zu längeren Wanderungen. Es gibt auch Wasserfälle, die aber nicht zum Schwimmen geeignet sind.

San Gerardo`s Birds, Jardin de Colibris: Ein privater Garten, in dem angefüttert wird. Ideal für Fotografen. Erwarten Sie hier neben vielen Kolibris den Aztekenbartvogel, Eichelspecht, Silberkehltangare, Laucharassari , Rotkopfstirnvogel oder Glatzenkopfpapagei. 

 

3. Nationalpark La Amistad

 

Es gibt nicht viele Möglichkeiten, diesen sehr großen Nationalpark zu besuchen. Er liegt zu einem Teil auf costaricanischen Seite und zum Teil auf der Seite Panamas. Daher sein Name, Freundschaft zu Panama. Man muss dazu weit in den Süden fahren, über Buenos Aires hinaus und in Richtung San Vito. Dann zweigt man eine Sekundärstraße Richtung Potrero Grande, dann weiter in die Berge ab. Sie wird dann auf den letzten 20 km zur Schotterpiste, ist aber gut befahrbar. Google Maps zeigt hier zum Teil keine Straßen mehr an und sie befinden sich dann schon im Nationalpark (Titelbild). In einer winzigen Siedlung ohne Namen gibt es die einfachen Cabanas Bonnysu auf knapp 2000 Meter.

Touren im Nationalpark La Amistad 

Ich habe dort im letzten Winter (Dezember) drei Tage verbracht und die guten Möglichkeiten von Wanderungen und Vogelbeobachtung (Weißkehldrossel, Graukopf-Maskentyrann, Morgenammer, Gelbschenkel-Buschammer, Feuerschnabelarassari, Kletterwaldsänger) in dieser hohen Region kennengelernt. Die Trails sind recht rustikal und zum Teil alpin. Gutes Schuhwerk und Trittsicherheit ist erforderlich. Das Betreiberehepaar der Cabanas Bonnysu ist sehr herzlich, familiär und leiten auch Naturwanderungen (Pilztouren und Brombeertouren, Nationalpark La Amistad, Badeplatz der Pekaris,...).

Es gibt kein reguläres Restaurant, in der Nachbarschaft aber einige Sodas. In der Herberge wird aber gekocht, auf Vorbestellung. Es gibt Sammelzimmer, ein Doppelzimmer und Zelte.

Von dieser Herberge aus starten auch mehrtägige Wanderungen auf die höchsten Gipfel der Umgebung . Diese Wanderungen müssen vorbestellt werden und sind nur mit Führer möglich. Besonders beliebt sind diese Touren bei Einheimischen aus dem Zentraltal.

Weiter ist dieser Ort als Lichtschutzgebiet bekannt: Sternengucker kommen mit viel Equipment hierher und versuchen an wolkenfreien Tagen „neue Sterne“ zu entdecken.

Der Birdwatching-Tourismus steckt hier noch etwas in den Kinderschuhen, und so ist man auf weitgehende Eigeninitiative angewiesen.

 

Die letztere Station, um das Hochgebirge in Costa Rica zu entdecken, eignet sich auch als Zwischenstation um weiter in die Region San Vito zu fahren. Fragen Sie uns gerne und wir stellen Ihnen eine komplette Naturreise (geeigneter Mietwagen, passende Unterkünfte, Guides und WhatsApp-Support während der Reise von mir) zusammen.

Der Autor

Stephan Martens

Die Natur ist meine Leidenschaft. Und mein Traumberuf seit über 20 Jahren Reiseleiter: Genauer gesagt bin ich Naturreiseleiter und leite auch Ornithologische Touren. Ökologische Zusammenhänge und die anthropogenen Auswirkungen finde ich spannend. Mit Gästen Naturbegeisterung teilen, das gefällt mir.

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