In Spanien gibt es seit 1805 den „Día del Árbol“ (Tag des Baumes), der oft mit der Pflanzung von Eichen gefeiert wird. Die erste Aktion fand also vor mehr als 200 (!) Jahren in Villanueva de la Sierra (Caceres) statt.
Die bekannteste Steineiche Spaniens, die „Encina de la Peana“, ebenfalls in der Extremadura, ist über 1.200 Jahre alt!
Mit welchem Recht reklamieren wir Mitteleuropäer, insbesondere die Deutschen, die Eiche als den typischen deutschen Baum? In Spanien haben die verschiedenen Eichenarten in der Landschaftsgestaltung, in der Landschaftsökologie und auch im Nutzen für den Menschen eine viel größere Bedeutung.
Hier vorab einige Gründe, die für die Bedeutung dieser fantastischen Bäume sprechen:
• Eichenwälder sind Klimaschützer und speichern mehr als 12 t CO2 auf jedem Hektar und in jedem Jahr.
• Dehesas sind traditionelle Agroforstsysteme und stellen eine Kombination aus Eichenwäldern verschiedene Arten sowie Weidewirtschaft dar. Sie sind der Biodiversitäts- Hotspot in Europa.
• Eichen in Spanien sind Grundwasserschützer. Durch ihre tiefen Wurzeln fördern Sie die Grundwasserneubildung in trockenen Regionen.
• Die Eichenarten in Spanien können als Klimabäume bezeichnet werden. Sie sind sehr hitzeresistent und trotzen sogar Waldbränden. Insbesondere die Korkeiche und die Steineiche.
Die Korkeiche, Quercus suber:
Sie fühlt sich insbesondere in Südwestspanien (Andalusien, Extremadura, Katalonien) zu Hause. Bevorzugt dabei die Küstenregionen und Höhenlagen bis ungefähr 1000 m. Die Böden sollten durchlässig sein, gerne Sand oder Lehm.
Ihre Wälder stellen wichtige Lebensräume da, unter anderem für den Iberischen Luchs oder den Spanischen Kaiseradler.
Weitere typische Arten in Korkeichenbeständen sind Blauelster, Turteltaube, Rotkopfwürger, Zistensänger oder Wiedehopf. Darüber hinaus kann man hier rund 20 Arten Fledermäuse zählen.
Die Rinde wird alle 6-12 Jahre geerntet. Erstmals kann man nach 25-30 Jahren schälen und ein Baum liefert bis zu 300 kg Material pro Ernte.
Die Korkeichen der iberischen Halbinsel Decken rund 50 % des weltweiten Bedarfs. Kork wird nicht nur zum Verschluss für Weinflaschen gebraucht, sondern auch für Bodenbeläge, für Dämmungen, für Handgriffe von Werkzeugen oder als Dekoration, Schmuck, Kunst.
Das Holz der Korkeiche ist hart und schwer und besonders geeignet für die Möbelherstellung, früher für Boote und Weinfässer.
Die Früchte, die Eicheln, haben die Iberico Schweine zum fressen gern.
Durch die dicke Korkschicht ist die Korkeiche nahezu feuerresistent.
Die Portugiesische Eiche, Quercus faginea:
Ihre Heimat ist Westspanien, somit Galizien und die Extremadura. Sie ist noch etwas feuchtigkeitsliebender als die Korkeiche und mag das atlantisch mediterrane Klima in Höhen bis zu 1500 m. Sie ist ein wichtiger Lebensraum für sehr viele Vogelarten und Säugetierarten.
Beispiele sind Pirol, Mönchsgrasmücke, Waldkauz, Großer Abendsegler oder auch die Wildkatze.
Sie trägt zur Grundwasserneubildung bei und darf auch als Pionierart bezeichnet werden, denn sie besiedelt gestörte Flächen und bereit den Boden für andere Arten vor. Ihr Holz kann verwertet werden für Furnier, für Parkettböden und darüber hinaus für Wein und Cherry Fässer. Ihre Früchte, die Eicheln, werden von Schweinen sowie von Rehen gerne genommen. Sie sind kleiner, aber dafür nährstoffreicher. Ihre Blätter, gerade die frischen Austriebe, sind behaart. Das macht sie unverwechselbar.
Die portugiesische Eiche zählt als „Brückenart“, denn sie verbindet mediterrane mit atlantischen Lebensräumen. Das ist wichtig für Zugvögel.
Die Steineiche, Quercus ilex:
Die Steineiche ist vielleicht die maximal spanische aller Eichen, denn sie kommt im ganzen Land vor. Sie verträgt mediterranes subkontinentales Klima und ist sehr trockenheitsresistent, dabei erreicht sie Höhen von 1800 m.
An den Boden stellt sie keine besonderen Ansprüche, von sandig bis über steinig und kalkhaltig. Sie ist die dominante Eiche vieler Mittelmeerwälder „Encina-Wälder“.
Diese Wälder sind „Wasserpumpen“: ein großer Baum verdunstet bis zu 400 l Wasser pro Tag, holt das Wasser tief aus dem Untergrund und kühlt so die Umgebung um bis zu 5° ab.
Hier finden sich rund 150 Vogelarten, z. B. Samtkopfgrasmücke, Grauammer, Triel, Theklalerche oder Wiedehopf, Zwergadler und Schlangenadler ebenfalls.
Ihr Holz ist sehr hart, wird für die Herstellung von Werkzeugen, Holzpfählen oder auch zur Holzkohlegewinnung verwendet. Somit die umweltfreundlichste und nachhaltigste Möglichkeit, Holzkohle für den Grill zu gewinnen.
Ihre Eicheln sind die Basis für die Ernährung der iberischen Schweine. Weiter dienen ihre Früchte geröstet als Kaffeeersatz „Bellotino“. Die Steineiche ist in der spanischen Geschichte und Literatur immer wieder das Symbol der Widerstandsfähigkeit. Und so wird sie auch deutlich über 1000 Jahre alt und ihre Stämme erreichen Umfänge von über 5 m.
Die Flaumeiche, Quercus pubescens:
Die Verbreitung Schwerpunkt ist Nord- und Ostspanien, also Katalonien, Aragon und das Baskenland. Sie erträgt niedrigere Temperaturen und gedeiht in submediterranen Kontinentalklima, bis zu 1600 m. Kalk mag sie gerne, kommt aber auch mit steinigen Böden zurecht. Ihr Wasserbedarf es etwas höher, als der der Steineiche oder Korkeiche.
Sie bildet Mischwälder mit Kiefern und Buchen und ist eine extrem wichtige Art für das Ökosystem. Als Beispiel ist sie Nahrungsgrundlage für über 500 Insektenarten.
Typische Vögel sind Buntspecht, Grauschnäpper, Berglaubsänger, Sperber und Habicht. Durch die großen Mengen an Laub gilt sie als Bodenverbesserer und sorgt für Humusbildung.
Die Menschen nutzen das Holz für Möbel, für Bauholz und Brennholz. Nicht nur Tiere mögen die Eicheln, sondern für Menschen sind sie auch geröstet genießbar.Ihre jungen Blätter sind noch intensiver behaart, als die der portugiesischen Eiche.
Die Kermeseiche, Quercus coccifera:
Ihr Hauptvorkommen liegt in Süd- und Ostspanien. Also Andalusien, Murcia, Valencia. Sie mag das Mittelmeer Klima und verträgt extreme Trockenheit. Dabei klettert sie bis maximal 1200 m. Sie bleibt eher klein und wächst buschartig, gerade in der Macchie. Kalk, Steine oder Salz im Boden sind für sie kein Problem. Niederschläge von weniger als 400 mm auch nicht. Sie gilt als Bodenpionier und kann degradierte Standorte wiederbewachsen. Auch ihre Eicheln sind Grundlage in der Ernährung vieler Wildtiere.
Sie erzeugt ebenfalls ein hartes Holz, das aber allenfalls für Werkzeuge, Pfähle oder Holzkohleherstellung taugt. Aus der Rinde werden Gerbstoffe gewonnen.
Wie alle anderen Eichenarten in Spanien ist sie eine wichtige Pollenquelle für Bienen.




















