Reisetipps / Panama

Gamboa in Panama

„Weltrekordhalter in Artenvielfalt“
03. Juli 2026

Mittelamerika

Panama

Gamboa in Panama

DinaDina
Großtinamu-Familie in Gamboa 
Mittelamerika, Costa Rica und Panama sind bekannt für ihre extreme Artenvielfalt. Hier gibt es zwei Küsten, ein Hochgebirge, trockenere und feuchtere Zonen und die Tatsache, dass hier Organismen beider Groß-Kontinente, Süd -und Nordamerika, zusammentreffen.

Die Region Gamboa in Panama somit nur als Hotspot zu bezeichnen, wäre untertrieben. Festmachen kann man es, so glaube ich, an der Tatsache, dass hier an diesem Ort der Erde an einem einzigen Tag die meisten Vogelarten bestimmt worden sind. Bei anderen Tieren oder Pflanzen würde man hier ähnliche Rekorde erzielen. Zum Leidwesen der zum Beispiel Frosch- oder Fledermausliebhaber gibt es sehr sehr viele Hobby-Ornithologen, sie finden natürlich größere Beachtung.

 

Gamboa liegt nur wenige Kilometer nördlich, eine knappe Autostunde entfernt von der Metropole Panama City. Auch vom internationalen Flughafen ist man sehr schnell dort angekommen und muss nicht unbedingt in der Großstadt logieren. Der Ort Gamboa ist eigentlich nur ein Nest, entstanden in der Zeit, als die US-Amerikaner die Kanalzone noch ihr Eigen nannten (1911 gegründet, Abzug der US-Truppen 1999). Es macht keinen gewachsenen, sondern den Eindruck einer schlecht geplanten

DinaDina
Sabrina und Stephan auf der Pipelineroad 
Streusiedlung. Es gibt baufällig Bereiche, es gibt Industriebereiche. Es gibt große Straßen. Es gibt Wohnhäuser, die verfallen. Es gibt aber auch gepflegte Bereiche mit schönen Holzhäusern mit Verandas und Gärten.

 

Seit einiger Zeit wird versucht, hier den Öko-, Natur- sowie Vogelbeobachtungs- Tourismus zu etablieren. Und da gehen bekanntermaßen ja die Meinungen auseinander, was den Natur -Tourismus und Öko-Tourismus bedeutet. So werden Bootstouren auf dem Panamakanal angeboten, die mit der Natur nun weniger zu tun haben. Es werden Ausflugsfahrten zu einer Affeninsel offeriert, auf der die Tiere gefüttert werden und ausgesetzt worden sind, zu touristischen Zwecken. Und es gibt recht zweifelhafte Einrichtungen, wie zum Beispiel eine „Faultier Auffangstation“, wo gegen Dollars Selfies mit Faultieren angefertigt werden können. Funsportarten wie zum Beispiel Motor-Quadfahrten oder Ziplining (Canopy) haben denn auch mit Ökotourismus gar nichts zu tun.

Sehr positiv hingegen ist die Tatsache, dass weite Bereiche der Region Gamboa unter Schutz stehen. Es gibt einen großen Nationalpark, es gibt private Schutzgebiete. Es hat Forschungseinrichtungen und auch professionelle Birdwatching-Unternehmen, die nicht nur Geld verdienen, sondern sich auch für den Schutz der Natur verantwortlich sehen. Und trotz des Kommerzes ja auch immer zur Weiterbildung und „Missionierung“ beitragen.

 

Der Nationalpark Soberania

 

Dieser Nationalpark umfasst praktisch den Ort Gamboa und erstreckt sich überweite Waldgebiete östlich des Panamakanals.

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Goldkehltukan auf der Plantationroad 
1980 gegründet und rund 20.000 ha (10x20km) groß. Um Klarheit zu sorgen, möchte ich hier schon anmerken, dass die berühmte Pipeline Road sowie die Plantation Road und auch das Rainforest Discovery Center sich innerhalb des Nationalparks befinden. Somit findet man die Wanderwege rechts und links der Straße bis Gamboa und über Gamboa hinaus. Zumeist mit Schildern versehen. Manche sind aber auch schon umgefallen oder verwittert. Einen Eingang, wo man zahlen muss oder eine Information erhält, gibt es nicht. Am besten kommt man also mit dem Auto hierher, und arbeitet sich so und selbstständig über die verschiedenen Wanderwege. Präparieren Sie sich gut gegen Insektenstiche und nehmen Sie genügend Wasser mit. Geführte Touren sollte man über Agenturen von langer Hand vorbereiten. Ich möchte an dieser Stelle darauf verzichten, aufzuzählen, welche Säugetierarten oder Vögel hier vorkommen. Es deckt sich mit rund der Hälfte aller in Panama vorkommenden Tierarten. Es ist allerdings für das ungeübte Auge und ohne Guide schwierig, auf 5 km oder 10 km Wanderung mehr als nur zehn verschiedene Vögel und zwei bis drei Säuger zu sehen.

 

Die Pipeline Road (Camino del Oleoducto)

 

Hier auf diesem Weg ist der berühmte Weltrekord erzielt worden. Die Angaben der Vogelzahl, die hier gesichtet worden sind, variieren. Aber es sollen an einem Tag wohl mehrere 100 gewesen sein. Das ist natürlich extrem und an so vielen Orten der Erde einfach gar nicht möglich. Ich denke es soll auch keinen Fall zur Nachahmung verführen. Denn ruhige Beobachtung auch nur weniger Arten hat Qualität. Ein Artenrennen zu veranstalten, ist Jagdtriebbefriedigung.

Die Straße, welche früher asphaltiert war, ist circa 17,5 km lang. Sie ist mal zur Instandhaltung einer geplanten Ölpipeline hergestellt worden. Heute ist sie sehr verwachsen und besteht nur noch aus Schotter. Die ersten Kilometer sind noch recht gut, später wird es immer unwegsamer.

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Halsbandpekari in Gamboa 

Auf Google Maps sieht man den Einstieg zu diesem Trail fast am Panamakanal (nördlich von Gamboa), er befindet sich aber unmittelbar am Eingang des Rainforest Discovery Center. Parken Sie also besser hier, sonst müssen Sie auf den ersten Kilometern die Besucher des Centers mit ihren Autos ertragen.

 

Die Plantation Road (Camino de Plantacion)

 

Dieser rund 6,5 km lange Wanderweg befindet sich südlich von Gamboa rechts der Straße. Wie auf der Pipeline Road muss man somit hin und zurück laufen. Das hat natürlich den Vorteil, dass man sich so schnell nicht verläuft, wenn man ein bisschen aufpasst. Und man weiß beim Wandern genau wann Halbzeit ist und kann sich so seine Kräfte und sein Wasser einteilen.

Dieser Trail hat noch eher einen natürlichen Charakter als die Pipeline Road. Sein Name stammt daher, dass es früher durch teilweise Plantagenland (Kakao und Bananen) führte, wovon man heute aber nichts mehr sehen kann.

Ganz in der Nähe des Einstiegs dieses Weges gibt es auch den Schotterweg zum Canopy- Tower. Aus einem früheren Wachturm der Amerikaner ist eine Basis für sehr professionellen Birdwatching-Tourismus entstanden. Eine spontane Nutzung dieses Towers ist nicht möglich, sie müssen sich von langer Hand hier einbuchen. Fragen Sie uns gerne dazu.

Etwas nördlich an der Straße gibt es noch den Mini Rundwanderweg „Del Charco“. Nimmt man sich allerdings einen der beiden vorgenannten Wege zur Brust, braucht man diesen kleinen Rundweg (1 km) nicht mehr zu wählen. Zudem man es hier auch oft mit Badeschlappenwandern zu tun hat: es gibt eine kleine Badestelle.

 

Das Rainforest Discovery Center (Eugene Eisenmann Foundation)

 

Sie möchte natürlich Dollar haben, bieten dafür einige gepflegte Wanderwege (2-3 km), einen 32 m - Beobachtungsturm, ein Besucherzentrum und Kolibri-Feeder mitten im Regenwald. Und unterhalten mit diesem Geld auch weitere Schutzprojekte im Land.

Das Center ist zwischen 7 Uhr und 4 Uhr nachmittags geöffnet.

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Aussichtsturm Rainforst Discovery Centre 

Die oben beschriebene Pipeline Road startet direkt neben dem Eingang zum Discovery Center.

 

Wanderung in Gamboa und der Sendero la Laguna

 

Es gibt so wenig Autoverkehr in Gamboa, weil es sich um eine Sackgasse handelt, dass man hier auch die Straßen auf und nieder wandern kann, unterhalb des großen Hotels (Gamboa Rainforest Reserve) am See entlang schlendern kann oder einen kleinen Wanderweg auf einer Waldinsel nutzen kann, der mit Sandero la Laguna gekennzeichnet ist. Die Ausbeute an Vogelarten, im halboffenen Gelände des Dorfes und angrenzenden wenig befahrenen Straßen, sowie auf dem Sendero (Wanderweg), ist erstaunlich. 

Wo logieren Sie gut und zentral?

 

Das kleine Problem vorweg: Es gibt keine netten, kleinen, privatbetriebenen Urwald-Lodes mit Flair. Im Dorf Gamboa findet man einige wenige sehr kleine B & B`s. Deren Kondition sich aber sehr schnell ändert, so dass sich hier eine Aufzählung nicht lohnt. Doch: ...wer das Geld hat oder gerne dafür verwendet: „The BirdHouse“.

Das sehr große „Hotel Gamboa Rainforest Reserve“ ist zumeist die beste Wahl, auch wenn man große Hotels nicht mag. Es liegt halt zentral und bietet unterhalb am See direkten Zugang zu den Naturgebieten. Dort liegt auch das Außenrestaurant mit fantastischer Terrasse, von der man Kaimane, Schildkröten, Blatthühnchen und Wasserschweine beobachten kann.

Ein ebenso großer Klotz in der Landschaft ist das etwas südlich vom Park gelegene „Summit Rainforest and Golf Resort“. Komplett auf 18° herunter klimatisiert. Dafür ist es von einem großen Park umgeben, den man natürlich auch zum Vogelbeobachten benutzen kann. 

Wer die Anreise nicht scheut, kann diese Region Gamboa mit dem Nationalpark Soberania auch von Panama City als Tagesausflug machen. Möchte man allerdings die Möglichkeiten hier nutzen, ist ein Aufenthalt von wenigsten drei bis vier Nächten anzuraten. 

Der Autor

Stephan Martens

Die Natur ist meine Leidenschaft. Und mein Traumberuf seit über 20 Jahren Reiseleiter: Genauer gesagt bin ich Naturreiseleiter und leite auch Ornithologische Touren. Ökologische Zusammenhänge und die anthropogenen Auswirkungen finde ich spannend. Mit Gästen Naturbegeisterung teilen, das gefällt mir.

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Panama ist ein ideales Naturreiseziel. Gerade für Vogelbeobachter oder Fotografen. Ebenso sicher, vielleicht etwas weniger touristisch auf dem Lande als sein Nachbar Costa Rica. Mit einigen Top-Destinationen für Hide-Lovers und professionelles Birding.

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