Die faszinierende Andersartigkeit der
Die NaturreiseFür uns Mitteleuropäer eine fantastische grüne Hölle. Jeder Ast eines Regenwaldbaumes kann es mit der Vielfalt eines botanischen Gartens aufnehmen. Gartenkünstler oder andere Menschen, die gerne mit Pflanzen zaubern, können es nicht besser "nachbauen".
Die Stämme und Äste der Bäume, insbesondere im Nebelwald sind mit Teppichen aus Mosen, Farnen, Orchideen, Aaronstabgewächsen, Bromelien und vielen anderen Pflanzen bedeckt. Sie wachsen und gedeihen, ohne dass ihre Wurzeln fest im Boden verankert sind. Epiphyten sind entgegen der weit verbreiteten Fehlannahme keine Parasiten, mit Ausnahme einiger Mistelarten.
Das bedeutet sie dringen im Normalfall mit ihren Wurzeln nicht in den Wirt ein.
Das Manhattan der Pflanzenwelt
In vielen Regenwäldern Costa Ricas und Panamas machen lebendes und verrottendes Material von Aufsitzerpflanzen etwa 45 % der pflanzlichen Biomasse aus. Viele Pflanzen, die im Baumkronendach leben, haben vielfältige Strategien entwickelt, um die für ihr Wachstum benötigte Feuchtigkeit, Nährstoffe und Sonnenlicht zu erhalten, ohne einen Stamm ausbilden zu müssen. Viele überleben nicht länger als ein Jahr, wenn sie auf den Waldboden fallen.Im Laufe der Zeit sammeln sich auf den Ästen der Bäume verrottende Epiphyten sowie andere organische Ablagerungen an und bilden einen dicken, schwammartigen, Wasserabsorbierenden Teppich auf den Ästen.
Die NaturreiseHäufig stellt die Familie der Orchideen die größte Anzahl an Aufsitzern. Auch Arten aus der Heidekrautgewächsfamilie (Ericaceae) oder der Gesneriengewächsfamilie (Gesneriaceae) sind häufig.
Um ein bisschen Übersicht in diese vielfältigen Pflanzenfamilien, Gattungen und Arten zu bekommen, kann man sie der einfachheithalber in folgende Gruppen unterteilen:
Bromelien:
Eine sehr artenreiche Epiphytengruppe der Regionen, über 250 Arten in beiden Ländern. Zum Beispiel sind die Gattungen Tilandsia, Guzmania, Vriesea oder Aechmea bekannt. Auch die Ananas stammt aus dieser Gruppe. Sie bilden mit ihren Blattrosetten "Wassertanks", die auch Fröschen und Insekten als Lebensraum dienen.
Ihre größte Vielfalt erreichen sie in Bergregenwäldern, zum Beispiel Monteverde in Costa Rica oder Vulkan Baru in Panama.
Orchideen:
Costa Rica und Panama sind Orchideen Hotspots, mehr als 1600 Arten.
Die NaturreiseDie Nationalblume Panamas ist die "Espiritu Santo" Peristeria elata.
Die große Anzahl der Orchideen in den Baumkronen ist aber gekennzeichnet durch sehr kleinen Wuchs, oft winzig kleine Blüten, die man eher mit der Lupe betrachten muss. Schauen Sie sich daher heruntergefallene Äste immer genau an oder besuchen Sie dazu einen botanischen Garten wie zum Beispiel Lancaster in Costa Rica.
Farne:
Nestfarne (Asplenium) und Geweihfarne (Platycerium) sind besonders groß und auffällig. Es gibt aber hunderte (800-1000) kleinere, unscheinbarere Arten.
So wurden in einem Nebelwald Westpanamas auf nur 22 Bäumen 51 Farnarten in 17 Gattungen gezählt. Bei insgesamt 155 Epiphytenarten.
Sie machen etwa 12 % der Biomasse aus, nach Bromelien, 73 %.
Die NaturreiseViele Farne sind in der Lage, herabfallendes Laub zu sammeln und bilden eigene Humusvorräte. Das haben sie ebenfalls mit den Bromelien gemeinsam.
Die besten Orte um sie zu bewundern sind Monteverde (Santa Elena) oder das Talamanca Gebirge in Costa Rica sowie Fortuna Forest Reserve im westlichen Panama, Vulkan Baru oder Omar-Torrijos-Park (El Valle, Panama).
Moose, Lebermoose und Flechten:
Alleine in Monteverde in Costa Rica wurden bei einer Erhebung 77 Moosarten in 48 Gattungen gefunden. Sie sind die eigentlichen Pioniere, sie besiedeln nackte Rinde, speichern Wasser wie Schwämme und schaffen damit die Keimbetten, auf denen später Farne, Bromelien und Orchideen Fuß fassen.
Weiter sind sie für die Stickstofffixierung verantwortlich: Ähnlich wie die Knöllchenbakterien im Boden sammeln sie zusammen mit Cyranobakterien- Gemeinschaften Luftstickstoff und machen ihn fürs Ökosystem verfügbar.
Die Lebermoose scheinen noch artenreicher als die o a Gruppen zu sein. Eine Erhebung auf 4 ha in Panama listet 140 Arten auf.
Sie wachsen auch direkt auf lebenden Blättern von Unterstauden, ein Phänomen, dass es nur in ständig feuchten Truppenwäldern gibt, da das Blatt nicht älter als das Moos sein darf.
Flechten, eigentlich eine Symbiose zwischen Pilz und Alge, bewohnen Rinden und Blätter. In den Eichenwäldern der Talamanca Region in Costa Rica und ebenso im Westen Panamas erreichen sie höchste Artenzahlen und die Forschung steckt noch in den Anfängen.
Aronstabgewächse:
Sie stellen die viertgrößte Gruppe der Aufsitzerpflanzen in Costa Rica und Panama. Bisher sind rund 300 Arten bekannt. Allein 100 Anthurium-Arten und 70 Philodendron-Arten. Die Grenzregion Costa Rica - Panama ist ein Endismuszentrum für Philodendron.
Zum Teil leben sie auch halbepiphytisch, bilden also auch manchmal Wurzeln in den Boden.
Die NaturreiseMit circa 60 Arten muss man auch die Gattung Monstera erwähnen. Sie werden im Deutschen gemeinhin als Fensterblatt bezeichnet. Sie Keimen zunächst am Boden, steigen in die Bäume auf, und später erfolgt oft eine Trennung vom Boden. Ihre Luftwurzeln können bis zu 30 m lang werden, dienen gleichzeitig als Haken und Wasserleitungen. Ein besonderes Merkmal ist auch die Eigenschaft in den Schatten hinein wachsen zu können und die Verschiedenblättrigkeit. Jugendliche und alte Blätter derselben Pflanze können völlig unterschiedlich aussehen.
Besondere Gruppen:
Insbesondere in den Trockenwäldern gibt es auch Kakteen, die epiphytischen Wuchs aufweisen. Epiphyllum oder Ripsalis. Auffällig sind auch Kakteenverwandte wie Hylocereus, die zu den Nachtkerzen-Kakteen gehören.
In den höheren Lagen der Nebelwälder fallen Heidekrautgewächse (Ericaceae) durch ihre typischen Blüten ins Auge. Sie leben ja in Europa, meist als Heidekraut und Heidelbeere, eher am Boden. Aber auch in Panama und Costa Rica bilden sie viele Zwischenformen. Zum Teil also auch terrestrisch wachsend.
Ihre leuchtenden, röhrenförmigen Blüten sind klassische Kolibri-Blumen. Viele der auch verzehrbaren, beerenartigen Früchte werden von Vögeln verbreitet.
Die NaturreiseFazit:
Panama und Costa Rica sind im Grunde genommen das Manhattan der Pflanzenwelt: Wohnraum ist knapp, Mieten sind heiß begehrt und konsequent wohnen alle übereinander. Warum ein Reihe wohnen, wenn man auch 30 Stockwerke übereinander stapeln kann?
Kurzum: Costa Rica und Panama sind Musterbeispiele für hervorragend funktionierendes Zusammenleben, ausgerechnet in der Pflanzenwelt, wo sonst überall um Licht gekämpft wird. Die Region ist nicht nur ein Hotspot. Sie ist die erfolgreichste Hausgemeinschaft Amerikas, mit Nebel inklusive.







